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Das Motto der Philosophischen Praxis



      Philosophistisiren ist dephlegmatisiren – Vivificiren.
      Novalis

      Das ließe sich so „übersetzten”:

      Philosophie praktizieren heißt:
      Beleben und auf die Sprünge helfen.



Und andere Motti ...




In eigener Sache
Zur Philosophie und Praxis
Wer ist Philosoph?
Zur Beratung
Das Gespräch
Ein paar Grundsätze
„Selbsterkenntnis”
Lebenskönnerschaft
Und außerdem ...



In eigener Sache ...

„Man muß etwas Neues machen, um etwas Neues zu sehen.”
Lichtenberg

„Die einen Denker haben das Verdienst klar zu sehen, was alle übrigen undeutlich sehen; die andern, undeutlich zu sehen, was noch keiner sieht.”
Paul Valéry

„Ein Mensch, der es schafft, die Welt mit einem völlig neuen Problem bekannt zu machen, kann die endgültige Auflösung getrost denen überlassen, die nach ihm kommen.”
Walter Leaf über Heinrich Schliemann

„Einer zeugt den Gedanken, der andere hebt ihn aus der Taufe, der dritte zeugt Kinder mit ihm, der vierte besucht ihn am Sterbebette, und der fünfte begräbt ihn.”
Lichtenberg

„Es ist notwendig geworden, daß die Menschen ein kleines bißchen sokratisch ausgehungert werden.”
Kierkegaard




Zur Philosophie und Praxis

„Philosophie kann ihrer Natur nach keinen Einfluß ausüben als durch freie Überzeugung, sie muß mit jedem wieder von vorn anfangen, sich an jedem neu bewähren, denn kein Mensch kann für den anderen glauben oder für den anderen überzeugt sein.”
Schelling

„Ich kann einem andern eine Ansicht, eine Überzeugung, einen Glauben in alle Ewigkeit nicht aufzwingen; eins aber kann ich: in gewissem Sinne das erste, was not tut (weil es die Bedingung für das weitere ist, nämlich dafür, daß er diese Ansicht, die Überzeugung, den Glauben annimmt); in anderem Sinne das letzte, das möglich ist (falls er nämlich das weitere nicht will): ich kann ihn zwingen, aufmerksam zu werden.”
Kierkegaard

„Ein philosophisches Problem hat die Form: ›Ich kenne mich nicht aus.‹”
Wittgenstein

„Nicht über Konkretes ist zu philosophieren, vielmehr aus ihm heraus.”
Adorno

„Man tut nicht wohl, sich allzulange im Abstrakten aufzuhalten. ... Leben wird am besten durchs Lebendige belehrt.”
Goethe

„Sache der Philosophie kann es nicht sein, die Lösungen leichter, sondern die Aufgaben schwerer zu machen.”
Spaemann

„Jede Art von Philosophie kann dadurch definiert werden, daß sie leichte Fragen schwer findet oder schwer macht.”
Blumenberg

„Wer heute Philosophie lehrt, gibt dem Andern Speisen, nicht, weil sie ihm schmecken, sondern um seinen Geschmack zu ändern.”
Wittgenstein

„Demgemäß ist eine uns von Irrthümern zurückbringende Wahrheit einer Arzenei zu vergleichen, sowohl durch ihren bittern und widerlichen Geschmack, als auch dadurch, daß sie nicht im Augenblick des Einnehmens, sondern erst nach einiger Zeit ihre Wirkung äußert.”
Schopenhauer

„Denken beeinflußt unsere Gedanken”
Marvin Minsky

„Wir haben alle unsere Philosophien, ob wir dessen gewahr werden oder nicht, und die taugen nicht viel. Aber ihre Auswirkungen auf unser Handeln und unser Leben sind oft verheerend. Deshalb ist der Versuch notwendig, unsere Philosophien durch Kritik zu verbessern. Das ist meine einzige Entschuldigung dafür, daß es überhaupt noch Philosophie gibt.”
Popper

Was sind philosophische Fragen? 1. Grundfragen. „Zweitens: Von Antworten auf philosophische Fragen kann die Orientierung eines Lebens abhängen. Sie werden also Lebensfragen genannt, weil sie aus dem Verlangen der Menschen nach Orientierung aufkommen und von ihm her ihre Dringlichkeit erhalten.”
Dieter Henrich

„Der Zweck der Philosophie ist die logische Klärung der Gedanken. Die Philosophie ist keine Lehre, sondern eine Tätigkeit. Ein philosophisches Werk besteht wesentlich aus Erläuterungen. Das Resultat der Philosophie sind nicht „philosophische Sätze”, sondern das Klarwerden von Sätzen.” Wittgenstein

„... es muß nichts so anwendbar auf die Wirklichkeit sein, ... nichts so gerechtfertigt sein als das, was aus der Philosophie kommt, so wie auch nichts so sehr individuell, lebendig und bestehend sein können [muß] als ebendasselbe”.
Hegel

„Die einzige Kritik einer Philosophie, die möglich ist und die auch etwas beweist, nämlich zu versuchen, ob man nach ihr leben könne, ist nie auf Universitäten gelehrt worden: sondern immer die Kritik der Worte über Worte.”
Nietzsche

„Die Philosophie entstand als Entschluß, vor den schrecklichen Problemen die Fassung zu bewahren.”
Ortega Y Gasset

„Die zentrale philosophische Frage ist, wie man leben soll.”
Jilary Putman

„Philosophie als Praxis bedeutet nicht ihre Einengung auf Nützlichkeit und Anwendbarkeit, etwa auf das, was der Entwicklung der Moral dient oder gelassene Seelenzustände bewirkt. Das Erdenken von Möglichkeiten für einen endlichen Zweck, für den ich Erkenntnis als Mittel anwenden will, ist technische, nicht philosophische Praxis.”
Jaspers

„Was die Philosophen über die Wirklichkeit sagen, ist oft ebenso irreführend, wie wenn man bei einem Trödler auf einem Schilde liest: Hier wird gemangelt. Würde man mit seinem Zeug kommen, um es mangeln zu lassen, wo wäre man genasführt; denn das Schild steht bloß zum Verkaufe aus.”
Kierkegaard

„Solange der Philosophie die leiseste Spur des Titels eines vor mehr als dreißig Jahren publizierten Buchs eines Altkantianers, Aus der Philosophenecke, anhaftet, solange ist Philosophie der Spaß, den ihre Verächter mit ihr treiben.”
Adorno




Wer ist Philosoph?

„Was den Philosophen betrifft, so kann man ihn gar nicht als Arbeiter am Gebäude der Wissenschaften, d.i. nicht als Gelehrten, sondern muß ihn als Weisheitsforscher betrachten.”
Kant

„Der Sprachgebrauch hat immer den als Philosophen bezeichnet, der jedem Vorkommnis die beste Seite abzugewinnen weiß; denn einzig das hilft.”
Alain

„Aber wie der Thymian trotz seiner herben Schärfe den Bienen Honig schenkt, so weiß auch der Weise aus den größten Verdrießlichkeiten oft Gutes und Nützliches zu gewinnen.” (oder: „Wie die Bienen Honig sammeln aus dem Thymian, dem herben, trockenen Kraut, so gewinnt der Weise oft aus den mißlichsten Umständen Nützliches und Gutes.”
Plutarch

„Ein Philosoph ist ein Mann, der das Leben mit Fragen so stark belastet, daß es in sich geht: daß es in seine eigene Tiefe hinabsinkt. Dem echten Philosophen haben alle Einzelheiten die gleiche Tiefe: sie weisen in gleicher Weise auf ein unsichtbares Zentrum hin.”
Ludwig Marcuse





Zur Beratung

„Wo wir ein Hirn nicht überzeugen können, haben wir ein Herz nicht zu bekehren vermocht.”
Kudzus

„Was hilft ein Argument, das die Leute kalt läßt?”
Paul Feyerabend

„Man überzeugt sich im allgemeinen besser durch Gründe, die man selber gefunden hat, als durch die, die andern eingefallen sind.”
Pascal

„Es ist noch nicht genug, eine Sache zu beweisen, man muß die Menschen zu ihr auch noch verführen oder zu ihr erheben. Deshalb soll der Wissende lernen, seine Weisheit zu sagen: und oft so, daß sie wie Torheit klingt!”
Nietzsche

„Denn Andere nähren kann man nicht mit unverdauten Abgängen, sondern nur mit der Milch, die aus dem eigenen Blute sich abgesondert hat.”
Schopenhauer

„Eine Beichte muß ein Teil des neuen Lebens sein.”
Wittgenstein

„Wenn man mit Erfolg entgegnen und einem anderen aufzeigen will, daß er sich irrt, muß man darauf achten, von welcher Seite er die Sache ansieht. Denn von hier aus gesehen, ist sie meist wahr; und diese Wahrheit muß man ihm zugeben, ihm dann aber die Seite aufzeigen, von wo aus sie falsch ist. Damit wird er zufrieden sein, denn er sieht, daß er sich nicht täuschte, daß er nur versäumte, sie von allen Seiten zu sehen.”
Pascal

„Nicht abraten. Wer um Rat gefragt wird, tut gut, zuerst des Fragenden eigene Meinung zu ermitteln, um sie sodann ihm zu bekräftigen. Von eines anderen größerer Klugheit ist keiner so leicht überzeugt, und wenige würden daher um Rat fragen, geschähe es mit dem Vorsatz, einem fremden zu folgen. Es ist vielmehr ihr eigener Entschluß, im Stillen schon gefaßt, den sie noch einmal, von der Kehrseite gleichsam, als ›Rat‹ des anderen kennen lernen wollen. Diese Vergegenwärtigung erbitten sie von ihm, und sie haben recht. Denn das Gefährlichste ist, was man ›bei sich‹ beschloß, ins Werk zu setzen, ohne es Rede und Gegenrede wie einen Filter passieren zu lassen. Darum ist dem, der Rat sucht, schon halb geholfen, und wenn er Verkehrtes vorhat, so ist, ihn skeptisch zu bestärken, besser, als ihm überzeugt zu widersprechen.”
Walter Benjamin

„Wovon man auch immer jemand überzeugen wolle - man muß Rücksicht nehmen auf die Person, die man überzeugen will; man muß ihren Geist und ihr Herz kennen; man muß wissen, zu welchen Prinzipien sie sich bekennt und was sie liebt; und schließlich muß man bei der Sache, um die es sich handelt, im Auge behalten, welche Beziehung sie zu den bereits anerkannten Prinzipien oder zu den Gegenständen hat, die durch die Reize, die man ihnen zuschreibt, kostbar werden.”
Pascal

„Dem Menschen ... gerecht werden, das geht über die Gerechtigkeit hinaus. Es erfordert zweierlei: Wissen und Liebe. ... Wissen, verbunden mit Liebe, ist das Beste.”
Robert Spaemann

„... wenn davon die Rede ist, wie man auf die Menschen zu wirken hat, so muß man sie nehmen, wie sie sind, und alle guten Triebe und Empfindungen aufsuchen, wodurch wenn auch nicht unmittelbar seine Freiheit erhöht, doch seine Natur veredelt werden kann.”
Hegel

„Ich kenne das Pädagogische [...] gut genug, um zu wissen, daß eigentlich hauptsächlich alles darauf ankommt, daß der Mensch einsehen lerne, was ihm fehlt, wodurch er es alsdann gewissermaßen schon erlangt, weil zu der Einsicht des Rechten und Nützlichen sich das Wollen sehr geschwind gesellt.”
Goethe

„Ein Lehrer ist man nicht damit, daß man sagt: so und so ist das; auch nicht damit, daß man eine Lektion aufgibt; nein, den Lehrer macht in Wahrheit das, daß er lernen kann und will. Die Unterweisung beginnt damit, daß du, der Lehrer, vom Schüler lernst, dich in das hineinversetzest, was er verstanden hat und (falls du es zuvor selbst nicht verstanden hast) wie er das Verständnis davon gewonnen hat; oder hast du es schon verstanden, so mußt du dich gleichsam von ihm abhören lassen, um ihm den Eindruck zu geben, daß du das Deine sicher weißt ... Das ist die Einleitung; und dann kann das Lehren in anderem Sinne beginnen.”
Kierkegaard

„Je mehr man zu erreichen sucht, desto fester schließt der Andere sich zusammen und wehrt ab. Je deutlicher er aber das Gefühl bekommt, daß man ihn zu nichts treiben, sondern nur mit ihm sein und leben; daß man nichts von ihm erreichen, nur der Sache dienen will, um die es sich handelt, desto rascher läßt er die Abwehr fallen und offnet sich ...”
Guardini

„Sobald man einen Menschen ausfragt, beginnt er schon allein dadurch auf der Hut zu sein, und wenn er gar glaubt, man wolle ihn zum Schwatzen bringen, ohne wirkliche Teilnahme für ihn zu empfinden, so lügt er oder schweigt oder verdoppelt seine Vorsicht und will lieber für einen Dummkopf gelten als zum Narren fremder Neugierde werden. Jedenfalls gibt es keinen schlechteren Weg, in den Herzen anderer zu lesen, als den Versuch, seines dabei geschlossen zu halten.”
Rousseau

„Es nützt nichts, ein höchstes Gut zu postulieren und den Menschen ein Ziel zu setzen, das sie der Unbestimmtheit und Veränderlichkeit ihres Wollens zwar entreißt, ohne daß es jedoch mit ihrem Leben und ihrer Praxis zusammenhängt und in ihnen selbst wurzelt. Die Erfüllung und Vollendung einer Praxis wird durch ihr eigenes Seinkönnen vorgezeichnet; was lebendig wird, will es selbst werden; was es in sich sein kann, drängt zur Verwirklichung. Daher sagt Aristoteles auch, daß es in der Ethik ›nicht um Theorie, sondern um Praxis geht‹: Was sie zu erkennen sucht, hat ›großes Gewicht für die Lebensführung, wie etwas, das zur Entscheidung und zur Wende führt‹. Aber es ist zugleich schwer erkennbar, und deswegen müssen wir ›wie Bogenschützen das Ziel, das Notwendige auf das Korn nehmen, damit wir es treffen‹.”
Joachim Ritter

„Was sind richtige Fragen, wenn wir Menschen ›kennenlernen‹ wollen? [...] ›Was in Wahrheit ist‹, erfahren wir [...] nur, wenn wir den Menschen selbst sprechen. Was er selbst denkt, meint, fühlt und will, erfahren wir nur, wenn wir, ehe wir über ihn sprechen, mit ihm gesprochen haben. Mit ihm sprechen heißt nicht nur: ihn Fragen beantworten lassen, die wir ihm stellen. Das kann genügen, wo uns ein spezifisches Erkenntnisinteresse leitet, wo wir z. B. die Eignung als Filialleiter oder Pilot testen wollen. Wo es uns darum geht, ihn ›als ihn selbst kennenzulernen‹, müssen wir unsere Interviewbogen zur Seite tun und uns in Umgang und Gespräch einlassen, in welchem wir allein mehr ›Herr des Verfahrens‹ sind.”
Robert Spaemann

„Lessing, der mancherlei Beschränkung unwillig fühlte läßt eine seiner Personen sagen: »Niemand muß müssen.« Ein geistreicher, frohgesinnter Mann sagte: »Wer will, der muß.« Ein Dritter, freilich ein Gebildeter, fügte hinzu: »Wer einsieht, der will auch.« Und so glaubte man den ganzen Kreis des Erkennens, Wollens und Müssens abgeschlossen zu haben. Aber im Durchschnitt bestimmt die Erkenntnis des Menschen, von welcher Art sie auch sei, sein Tun und Lassen; deswegen auch nichts schrecklicher ist, als die Unwissenheit handeln zu sehen.”
Goethe





Das Gespräch

„Sich mitzuteilen ist Natur; Mitgeteiltes aufzunehmen, wie es gegeben wird, ist Bildung.”
Goethe

„Höre geduldig den an, der mit dir spricht, und beeile dich nicht, ihn zu unterbrechen. Man fängt keine Unterhaltung mit Antworten an.”
<EM>Der weise Heykar in Tausend und eine Nacht

„Einer der Gründe, warum man so selten Leute trifft, die im Gespräch verständig und angenehm erscheinen, ist der, daß es fast niemanden gibt, der nicht mehr an das dächte, was er sagen will, als daran, auf das, was man ihm sagt, treffend zu antworten. Die Feinsten und Gescheitesten begnügen sich mit der Miene der Aufmerksamkeit, während man ihren Augen ansieht, wie sich ihr Geist von dem, was man sagt, entfernt und ungeduldig dem zuwendet, was sie sagen wollen. Man vergißt, daß es ein schlechtes Mittel ist, andern zu gefallen und sie zu gewinnen, wenn man sich selbst so eifrig zu gefallen sucht, und daß die Kunst, gut zuzuhören und treffend zu antworten, die allerhöchste ist, die man im Gespräch zeigen kann.”
La Rochfoucauld





Ein paar Grundsätze

„Man behandelt nicht auf universelle Art, was Gott grundverschieden haben wollte.”
Gustav Thibon

„Wer ein Individuum mit sich selbst versöhnt, erniedrigt es.”
Nicolás Gómez Dávila

„Ich lehre nicht, ich erzähle.”
Montaigne

„Der Mensch ist in seinen Handlungen und in seiner Praxis ebenso wie in seinen Fiktionen im wesentlichen ein Geschichten erzählendes Tier. Er ist im wesentlichen kein Erzähler von Geschichten, die nach der Wahrheit streben, aber er wird es durch seine Geschichte. Aber die Schlüsselfrage für die Menschen ist nicht die ihrer eigenen Autorschaft; ich kann die Frage ›Was soll ich tun?‹ nur beantworten, wenn ich die vorgängige Frage beantworten kann: ›Als Teil welcher Geschichte oder welcher Geschichten sehe ich mich?‹ Wir kommen mit einem oder mehreren zugeschriebenen Charakteren in die bestehende menschliche Gesellschaft [...], und wir haben zu lernen, was sie sind, damit wir verstehen können, wie andere auf uns reagieren und wie unsere Reaktionen auf sie erklärt werden können. [...] Mythologie - in der ursprünglichen Bedeutung - ist das Herz aller Dinge.” Und das bedeutet: „jene moralische Tradition von der heroischen Gesellschaft bis zu ihren Erben im Mittelalter [hatte recht], der zufolge das Erzählen von Geschichten einen wesentlichen Anteil an unserer Erziehung zur Tugend hat.”
MacIntyre

„Jede wahre Erzählung führt, offen oder versteckt, ihren Nutzen mit sich. Dieser Nutzen mag einmal in einer Moral bestehen, ein andermal in einer praktischen Anweisung, ein drittes in einem Sprichwort oder in einer Lebensregel - in jedem Fall ist der Erzähler ein Mann, der dem Hörer Rat weiß. Wenn aber ›Rat wissen‹ heute altmodisch im Ohre zu klingen anfängt, so ist daran der Umstand schuld, daß die Mitteilbarkeit der Erfahrung abnimmt. Infolge davon wissen wir uns und andern keinen Rat. Rat ist minder Antwort auf eine Frage als ein Vorschlag, die Fortsetzung einer (eben sich abrollenden) Geschichte angehend. Um ihn einzuholen, müßte man sie zuvörderst einmal erzählen können. (Ganz davon abgesehen, daß ein Mensch einem Rat sich nur soweit öffnet, als er seine Lage zu Wort kommen läßt.) Rat, in den Stoff des gelebten Lebens eingewebt, ist Weisheit.”
Walter Benjamin

„Eine goldene Regel: Man muß die Menschen nicht nach ihren Meinungen beurteilen, sondern nach dem, was diese Meinungen aus ihnen machen.”
Lichtenberg

„Das, was eine Verwirrung am meisten braucht, ist immer das, woran sie am wenigsten denkt - natürlich, denn sonst wäre es ja keine Verwirrung.”
Kierkegaard

„Jede Sicht der Dinge, die nicht befremdet, ist falsch. Wird etwas Wirkliches vertraut, so kann es nur an Wirklichkeit verlieren.
Philosophische Besinnung heißt vom Vertrauten auf das Befremdende zurückkommen, im Befremdenden sich dem Wirklichen stellen.”
Paul Valéry

„Erst dessen Persönlichkeit ist gereift, der das Wahre sich zueignet, ebensogut ob es Bileams Esel ist, der redet, oder ein Griesgram mit seinem Spottgelächter oder ein Apostel oder ein Engel.”
Kierkegaard

„Gefährdungen des Menschen sind ausnahmslos die Kehrseite seiner Größe und seines Randes. Seine Größe und sein Elend gehören zusammen. [...] Die Formen des Scheiterns, der Existenzverfehlung, entstammen demnach nicht dem Bereich des Inferioren, den animalischen Kellergewölben sozusagen, wo die Wölfe heulen (Nietzsche), sondern sie ereignen sich in der ›bel-étage‹ der Personalität, dort also, wo der Mensch seine Freiheit mißbraucht und das Privileg seiner Bestimmung verschleudert.”
Helmut Thielicke

„Wie jeder seinen Charakter nicht etwa macht, sondern als eine Naturtatsache vorfindet, gleichgültig wie er nun die zu nutzen wisse, so ist ihm mit eben diesem Charakter ein bestimmtes Maß der Fähigkeit zur Tiefe, Weite, Wärme, Inbrunst, Innigkeit, Umfänglichkeit, Großartigkeit usw. des Erlebens zugewogen, hinter dem er tausendmal zurückbleiben mag, das er aber nie überschreiten kann.”
Ludwig Klages

„Die heute vorherrschende Ethik befaßt sich [...] lediglich ›in kurzsichtiger Art mit dem, was wir tun sollen, ohne auch auf das einzugehen, was von sich aus wertvoll ist‹ und ›was wir bewundern oder lieben sollten‹. Es fehlt [...] der Sinn für jene lebensspendende und lebensleitende Inspiration durch das Gute.”
Charles Taylor

„Die Frage: soll man selbst philosophieren? muß dünkt mich so beantwortet werden als eine ähnliche: soll man sich selbst rasieren? Wenn mich jemand fragte, so würde ich antworten, wenn man es recht kann, es ist eine vortreffliche Sache. Ich denke immer daß man das letztere selbst zu lernen suche, aber ja nicht die ersten Versuche an der Kehle mache. Handle wie die Weisesten vor dir gehandelt haben, und mache den Anfang deiner philosophischen Übungen nicht an solchen Stellen, wo dich ein Irrtum dem Scharfrichter in die Hände liefern kann.”
Lichtenberg

„Die kleinen, unerklärten Fakten enthalten in sich immer genug, um alle Erklärungen der großen Fakten zu entkräften.”
Paul Valéry

„Theorien sind gewöhnlich Übereilungen eines ungeduldigen Verstandes, der die Phänomene gern los sein möchte und an ihrer Stelle deswegen Bilder, Begriffe, ja oft nur Worte einschiebt. Man ahnet, man sieht auch wohl, daß es nur ein Behelf ist; liebt sich nicht aber Leidenschaft und Parteigeist jederzeit Behelfe? Und mit Recht, da sie ihrer so sehr bedürfen.”
Goethe

„Es ist leichter, die Menschen, als einen einzigen Menschen kennenzulernen.”
La Rochfoucauld

„Niemand ist berechtigt, sich mir gegenüber so zu benehmen, als kennte er mich.”
Robert Walser

„Methode ist das Sterilste, was es gibt: mit Methode allein ist noch nie etwas geschaffen worden.”
Max Weber

„Eine reichhaltige Unentscheidbarkeit zieht uns an.”
George Steiner

„Frieden in den Gedanken. Das ist das ersehnte Ziel dessen, der philosophiert.”
Wittgenstein

„Die kranke Seele gesundet nicht, indem sie ihre armseligen Konflikte unterdrückt, sondern indem sie sich in edle Konflikte stürzt.”
Nicolás Gómez Dávila

„Der Mensch wirkt alles, was er vermag, auf den Menschen durch seine Persönlichkeit, [...].”
Goethe

„Man muß etwas sein, um etwas zu machen.”
Thomas Mann





„Selbsterkenntnis”

„Hierbei bekenn' ich, daß mir von jeher die große und so bedeutend klingende Aufgabe: erkenne dich selbst, immer verdächtig vorkam, als eine List geheim verbündeter Priester, die den Menschen durch unerreichbare Forderungen verwirren und von der Tätigkeit gegen die Außenwelt zu einer innern falschen Beschaulichkeit verleiten wollten. Der Mensch kennt nur sich selbst, insofern er die Welt kennt, die er nur in sich und sich nur in ihr gewahr wird. Jeder neue Gegenstand, wohl beschaut, schließt ein neues Organ in uns auf.”
Goethe

„Aber wie finden wir uns selbst [...]? Wie kann sich der Mensch kennen? Er ist eine dunkle und verhüllte Sache; und wenn der Hase sieben Häute hat, so kann der Mensch sich sieben mal siebzig abziehn und wird doch nicht sagen können: ›das bist du nun wirklich, das ist nicht mehr Schale.‹ Zudem ist es ein quälerisches gefährliches Beginnen, sich selbst derartig anzugraben und in den Schacht seines Wesens auf dem nächsten Wege gewaltsam hinabzusteigen. Wie leicht beschädigt er sich dabei so, dass kein Arzt ihn heilen kann. Und überdiess: wozu wäre es nöthig, wenn doch Alles Zeugniss von unserm Wesen ablegt, unsre Freund- und Feindschaften, unser Blick und Händedruck, unser Gedächtniss und dass, was wir vergessen, unsere Bücher und die Züge unsrer Feder. Um aber das wichtigste Verhör zu veranstalten, giebt es dies Mittel. Die junge Seele sehe auf das Leben zurück mit der Frage: was hast du bis jetzt wahrhaft geliebt, was hat deine Seele hinangezogen, was hat sie beherrscht und zugleich beglückt? Stelle dir die Reihe dieser verehrten Gegenstände vor dir auf, und vielleicht ergeben sie dir, durch ihr Wesen und ihre Folge, ein Gesetz, das Grundgesetz deines eigentlichen Selbst. Vergleiche diese Gegenstände, sieh, wie einer den andern ergänzt, erweitert, überbietet, verklärt, wie sie eine Stufenleiter bilden, auf welcher du bis jetzt zu dir selbst hingeklettert bist; denn dein wahres Wesen liegt nicht tief verborgen in dir, sondern unermesslich hoch über dir oder wenigstens über dem, was du gewöhnlich als dein Ich nimmst.”
Nietzsche





Fragen der Lebenskönnerschaft

„Wer weiß, was Philosophieren ist, weiß auch, was Leben ist, und umgekehrt.”
Novalis

„Das herrlichste Meisterstück eines Menschen ist, recht zu leben. Alle andere Dinge, regieren, Schätze sammlen, bauen, sind nur kleine Anhänge, und aufs höchste Hülfsmittel.“
Montaigne

„...wie unser physischer Weg auf der Erde immer nur eine Linie, keine Fläche ist; so müssen wir im Leben, wenn wir Eines ergreifen und besitzen wollen, unzähliges Anderes, rechts und links, entsagend, liegen lassen. Können wir uns dazu nicht entschließen, sondern greifen, wie Kinder auf dem Jahrmarkt, nach Allem was im Vorübergehen reizt, dann ist dies das verkehrte Bestreben, die Linie unseres Weges in eine Fläche zu verwandeln: wir laufen sodann im Zickzack, irrlichterliren hin und her und gelangen zu nichts.”
Schopenhauer

„Um mit vollkommener Besonnenheit zu leben und aus der eigenen Erfahrung alle Belehrung, die sie enthält, herauszuziehn, ist erfordert, daß man oft zurückdenke und was man erlebt, gethan, erfahren und dabei empfunden hat rekapitulire, auch sein ehemaliges Urtheil mit seinem gegenwärtigen, seinen Vorsatz und Streben mit dem Erfolg und der Befriedigung durch denselben vergleiche. Dies ist die Repetition des Privatissimums, welches Jedem die Erfahrung liest. Auch läßt die eigene Erfahrung sich ansehn als der Text; Nachdenken und Kenntnisse als der Kommentar dazu. [...] Auf die hier gegebene Anempfehlung zielt auch die Regel des Pythagoras, daß man Abends, vor dem Einschlafen, durchmustern solle, was man den Tag über gethan hat. Wer im Getümmel der Geschäfte, oder Vergnügungen, dahinlebt, ohne je seine Vergangenheit zu ruminiren, vielmehr nur immerfort sein Leben abhaspelt, dem geht die klare Besonnenheit verloren: sein Gemüth wird ein Chaos, und eine gewisse Verworrenheit kommt in seine Gedanken, von welcher alsbald das Abrupte, Fragmentarische, gleichsam Kleingehackte seiner Konversation zeugt.”
Schopenhauer

„... die Meisten [werden], wenn sie am Ende zurückblicken, finden, daß sie ihr ganzes Leben hindurch ad interim gelebt haben, und verwundert seyn, zu sehn, daß Das, was sie so ungeachtet und ungenossen vorübergehen ließen, eben ihr Leben war, eben Das war, in dessen Erwartung sie lebten. Und so ist denn der Lebenslauf des Menschen, in der Regel, dieser, daß er, von der Hoffnung genarrt, dem Tode in die Arme tanzt.”
Schopenhauer

„... wenn man nur eines will, eines will mit jedem Opfer und jeder Anstrengung: so ist es möglich.”
Kierkegaard





Und außerdem ...


„Jedermann klagt über sein Gedächtnis, niemand über seinen Verstand.”
La Rochefoucauld

„Zwischen Verstehen und Wollen liegen die Entschuldigungen und die Ausflüchte.”
Kierkegaard

„Das Haben, als hätte man nicht, vermittelt innere Distanz. Es ist die einzig legitime Weise, in der die konkreten Negativitäten der Welt nicht nur ertragen, sondern verändert werden können. Das Wissen um die Unzulänglichkeit des Tuns und das Gefühl einer letzten Vergeblichkeit bleibt. Es wird jedoch, durch das Distanzbewußtsein bestimmt, den Raum einer Gelassenheit eröffnen, die, soweit dies einer in der Welt verstrickten Subjektivität überhaupt gegeben ist, den Erfolg nicht als letzten Maßstab anerkennt.”
Walter Schulz

„Man meint, die Welt brauche ein Republik, und man meint, man brauche eine neue Gesellschaftsordnung und eine neue Religion; aber niemand denkt daran, daß es gerade ein Sokrates ist, was diese durch viel Wissen verirrte Welt braucht.”
Kierkegaard

 




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