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Die GPP e.V. lädt ein zum

Philosophisch-literarischen Neujahrs-Wochenende


in Kronenburg (Eifel)



Im "Romantischen Eifelhotel Villa Kronenburg"

  

Von Freitag, dem 3., bis Sonntag, den 5. Januar 2014

Kronenburg im Winter
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Kronenburg im Winter

  
Das diesjährige „Philosophisch-literarische Neujahrswochenende” in Kronenburg in der Eifel
wird diesmal folgendem Thema gewidmet sein:

    „Wilhelm Meisters Lehrjahre”


    das ist:


    Goethes Meisterroman


„Ich kann das Gefühl, das mich beim Lesen dieser Schrift, und zwar in zunehmendem Grade, je weiter ich darin komme, durchdringt und besitzt, nicht besser als durch eine süße und innige Behaglichkeit, durch ein Gefühl geistiger und leiblicher Gesundheit ausdrücken, und ich wollte dafür bürgen, daß es dasselbe bei allen Lesern im Ganzen sein muß.”
       (Schiller am 7. Januar 1795 an Goethe)

„Je größer der Dichter,
desto philosophischer ist er.”

(Novalis zu Goethe als Autor des Wilhelm Meister)

Einige Teilnehmer des letzten „Philosophisch-literarischen Neujahrs-Wochenendes” äußerten den Wunsch, es solle doch einmal Gottfried Kellers „Grüner Heinrich” auf das Programm gesetzt werden.
Gut, habe ich gesagt, einverstanden.
Doch dann zuerst das „Original”. Denn wer wäre sonst Anwärter auf die Ehre, Vorbild der großen, neuzeitlichen Romanliteratur zu sein ‒ zumal des Bildungsromans, als der exemplarisch „Der grüne Heinrich” gilt ‒ wenn nicht Goethes alles überragender Meister-Roman: „Wilhelm Meisters Lehrjahre”?
Der Gegenvorschlag wurde akzeptiert, ja mehr: begrüßt, und nun steht also dieses faszinierende, eine ganze Welt und Zeit aufschließende Werk auf dem Programm. Ich freue mich nicht nur darauf, ich bin meinerseits höchst gespannt auf dieses Abenteuer ‒ denn ist es nicht Abenteuerei höchsten Grades, sich eine erschließende Interpretation dieses Meisterstückes auch nur zuzutrauen ...? Nun, ich will es wagen.
Dabei werden uns - von der eingehenden Beschäftigung mit dem Roman selbst einmal abgesehen - auch die bedeutenden Reaktionen der berufensten Zeitgenossen Goethes zu denken geben, etwa die des jungen Novalis, und selbstverständlich werden wir in übersichtlichen Zügen die wirklich außerordentliche Interpretation des Romans durch Friedrich Schlegel kennenlernen, diese umfangreiche Besprechung, die später das Vorbild eigentlich aller anspruchsvollen Literaturkritik wurde.
Zitat aus den Notizen des Novalis zu dem Roman:

„Goethens Künstlertalent ... ist nichts als angewandte Philosophie - und so fänden wir ihn am Ende zu unserem nicht geringen Erstaunen auch als anwendenden, praktischen Philosophen, wie denn jeder echte Künstler von jeher nichts anders war.”

Fritz Schlegel hat sehr schön zu dieser - wie Goethe selbst mit kaum überhörbarem Stolz meinte - „inkalkulabelsten Produktion” bemerkt:
„Hat irgendein Buch einen Genius, so ist es dieses.”
Vor allem berühmt aber wurde Schlegels Notiz, wonach „die Französische Revolution, Fichtes Wissenschaftslehre und Goethes ›Meister‹ die größten Tendenzen des Zeitalters” seien, wobei gelte, daß „manches Buch, von dem die lärmende Menge zu seiner Zeit nicht viel Notiz nahm, eine größere Rolle [spielte] als alles, was diese trieb”.
Doch das alles und solche Zitate stehen für die gewöhnliche und langbewährt übliche Einschätzung des Romans.

Ich hingegen werde andere Wege suchen ...

Als Auftakt dazu könnte Schillers (oben zitiertes) Wort über den Roman gelten, in dem er vom „Gefühl geistiger und leiblicher Gesundheit” spricht, das ihn „beim Lesen dieser Schrift ... in zunehmendem Grade” durchdringe und besitze, um dann erläuternd fortzufahren:

„Ich erkläre mir dieses Wohlsein [mit] der durchgängig darin herrschenden ruhigen Klarheit, Glätte und Durchsichtigkeit, die auch nicht das geringste zurückläßt, was das Gemüt unbefriedigt und unruhig läßt, und die Bewegung desselben nicht weiter treibt als nötig ist, um ein fröhliches Leben in dem Menschen anzufachen und zu erhalten.”

Ließe sich wohl - in der Spur dieser Wahrnehmung - der gesamte Roman einmal als eine Art „Heilung” interpretieren, als Befreiung nämlich aus der Hypochondrie eines allzu sehr auf sich selbst erpichten, modernen Menschen? Ein solcher Zugang jedenfalls entspräche Goethes „Anti-Psychologie”, seinem Zug ins Welthaltige, „Objektive”, seiner Warnung davor, „an sich selbst zu verfallen”.
Und wir verstünden, warum sich die Romantiker - bei aller oft fast euphorischen Begeisterung für den Roman - eben doch auch unangenehm berührt, womöglich „erkannt” fühlten ... A propos: Ich habe auch insofern Ungewöhnliches vor. Statt mich, etwa gar ausschließlich, der Phalanx der Roman-Bewunderer und -Verehrer anzuschließen, werde ich auch jene zu Wort kommen lassen, die diesen Roman scharf kritisierten, ja verwarfen, die also Einwände dagegen in Stellung brachten. Und dann werden wir sehen, wie ihnen zu antworten ist.
Im übrigen plädiere ich dafür, im Blick auf dieses Werk gerade nicht von „Lebenskunst” zu sprechen - wie dies heute „angesagt” ist, so daß auch Rüdiger Safranski seiner Goethe-Biographie den Untertitel Kunstwerk des Lebens mitgab -, sondern tatsächlich von Lebenskönnerschaft, die ich vor einiger Zeit ins Gespräch gebracht habe. Der „Meister” ist der Könner, und die „klassische Lebenskunst”, die Goethe suchte, ist entschiedener der Ausdruck erworbener Lebenskönnerschaft als bloßen Künstlertums.
Um aber zuletzt mit einem Detail anzudeuten, was uns aus der Fülle der Fragen, die uns der Roman einträgt, sonst an Überraschungen erwartet, weise ich nur auf den beispiellosen Umstand hin, daß die Mehrzahl der faszinierenden Frauengestalten dieses Romans Züge verblüffend-irritierender Mannweiblichkeit aufweist: Mariane tritt in Mannstracht auf, Mignon ist, ihrer kindlichen Jugend mit geschuldet, soundso teils Knabe, teils Mädchen, dann die schöne Amazone, ja, und die geschlechtlichen Züge der Aurelie schillern auch, während Therese geradezu „die wahre Amazone” genannt wird ... Nur Philine und Natalie, die beiden Ausnahmegestalten, fügen sich nicht ins (heute übliche) Schema, gewinnen allerdings womöglich gerade deshalb an Reiz. Worüber, bestärkt durch gegenwärtige Erfahrungen, wohl nachzudenken wäre ...

 




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