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Zum Programm:

Am Freitag, nachmittags, haben wir, der Anregung Lukas' folgend, ein jeder zu einem Haiku seiner Wahl (aus dem verschickten Vorrat) einiges gesagt, etwa was er als Verfassung des Autors, als seine Befindlichkeit und "Stimmung" mutmaßen dürfe - und warum. Sinn der Übung: Was wenig Text - im Falle des Haiku 17 Silben! - dem entsprechend aufmerksamen Leser mitzuteilen vermag.

Abends: Der Vortrag von Prof. Dr. Gudula Linck, der bekannten Sinologin, über die "Poesie des Alterns", wie sie in Gedichten des alten Chrinas zum Ausdruck komme.

Am Samstag haben uns vormittags Haikus eines Gastes aus der Philosophischen Praxis beschäftigt, der sich obendrein als Schriftsteller öffentlich zu seiner Einschätzung der Wirkungen, wie sie sich im Verlauf einer Philosophischen Praxis (für ihn) ergeben haben, in einem Essay geäußert hat.

Schließlich hat die Runde gemeinsam - im Sinne einer Übung - einen eigens zu diesem Zweck geschrieben Haiku des Seminarleiters aufzuschließen versucht.

     Nebel silbrig-grau
     über dem spiegelnden See -
     bettet sanft zur Ruh'.

Dann haben uns am Samstag, eingeleitet von Lukas, klassische Texte der traditionellen chinesischen Philosophie beschäftigt, wobei der Taoismus im Zentrum stand.

Am Sonntag schließlich Arbeiten aus der fernöstlichen Weisheitstradition.


Hier sei noch aus dem letzten Brief des Lehrgangsleiters Gerd B. Achenbach an die Runde zitiert:

Ihr Lieben,

ein gewiß so anregendendes wie anspruchsvolles Wochenende steht uns bevor. Der Beschluß, vor einigen Treffen in der Runde gefaßt und gutgeheißen, den „historischen” Rückblick, sofern er Ausblicke auf die besonderen Interessen der Philosophischen Praxis eröffnete, mit einem Blick weit hinaus in den fernen Osten abzuschließen (um nicht gleich zu behaupten: abzurunden ...), wird jetzt also wahrgemacht. Ich freue mich darauf.
Um auch Euch noch einmal meinerseits ein kleines Motivationsquantum zukommen zu lassen, zitiere ich einen Philosophen, der es als starkes Mannsbild schlechthin auf eine sonderbare Weise verstand, seine Sympathie mit dem Tao in Worte zu fassen: das war Ernst Bloch. In seinem vorzüglichen Essay „Über den Begriff Weisheit” von 1953 schreibt er u. a. (nach der respektvollen Vorstellung der Stoa) unter der Zwischenüberschrift „Tao und die Einfachheit” (der hier folgende Ausschnitt dürfte sich bereits in Euren Unterlagen befinden, die damals im Zusammenhang mit der „Weisheit” als Papier verteilt wurden ‒ hier gebe ich ihn noch einmal des besonderen Bezuges wegen ...):
„Auf all diesen Wegen [Bloch meint: Die von der Stoa gebahnt wurden] kam man westlich an einen Halt heran, den man östlich viel feiner besaß. Er fiel in China mit der Sitte zusammen”. (364)
„Unvergleichlich gibt Laotse der Weisheit jene kostbar-schlichte Einfachheit, die auf dem Einklang mit den Unscheinbaren beruht. Das Unscheinbare am Tao ist dessen gänzliche Undynamik, dessen Ferne zum Lärm, dessen Nähe zum Mühelosen [...]. Und die Gegenspieler dieser Weisheit sind so nicht nur die Narren und Toren, es sind vielmehr die Berserker, die rohen Tölpel, die beziehungslosen Ochsen im Porzellanladen des Wesens; gegen sie vor allem erhebt sich Vermittlung mit dem Tao. Dem entspricht nicht zuletzt der auffallende Primat des Weiblichen in Laotses Tao, seine Zartheit sowohl wie seine Mütterlichkeit.” Sachlich enthalte er „eine Feier des Lautlos-Waltenden, die eben nur durch das Bild der Mutter aussagbar war. [...] Das ist das Zentrum, von dem her Ruhe, Einklang, Einfachheit sich vom Flüchtig-Männischen abkehrten, als der Cholerik der Unweisheit.” Da trete etwas „in Tiefe hervor, was auch bei der Stoa sich in breiterer Oberfläche gezeigt hatte; der Demeterzug der dem Weisen homologen Physis. Auch der Zeus der Stoa zeigte auffallend matriarchalische Züge; wo Ruhe und Einklang geschehen, waltet eine mütterliche Kategorie, ohne sie hat die Weisheit bei der Stoa wie erst recht bei Laotse, dessen Tao die gleichnamige altchinesiche Muttergöttin durchaus aufnimmt, keinen Hintergrund. Ist dieser Hintergrund auch völlig mythologisch bezeichnet, noch bis in den Aufklärungsbegriff einer ›Mutter Natur‹, so enthält diese Art Mythologie doch ebenso eine Absage an alles, was nicht in vernünftige Einfachheit und Ordnung kommt.” (365f)
Da hat, wie wir hörten, eine sehr westliche Stimme und philosophische Stimmung ihr vorbildliches Lob auf fernöstliche Weisheit angestimmt, die so vieles enthält, was uns fehlt, wenn es auch (in der Stoa beispielsweise) immerhin gesucht wurde.
Es gibt viele weitere Gründe, sich besonders auf dieses Wochenende zu freuen. Drei will ich nennen.
Zum ersten die Erinnerung an eine Empfehlung aus berufenem Munde, wie ich meine ‒ ich erzählte, glaube ich, bereits davon ... ‒: Vor vielen Jahren, noch in den Anfangszeiten der Philosophischen Praxis, sagte mir Peter Sloterdijk, weniges könne für das, was ich mir da vorgenommen hätte, so hilfreich sein wie die eingehende Beschäftigung mit den philosophischen Überlieferungen, die wir China und Indien verdankten. Ich habe zwar damals zum Peter gesagt: Jeder habe seine Grenzen, die er anzuerkennen lernen müsse, und meine verliefe irgendwo an einer nur zu denkenden Außengrenze, die Europa vom Osten abschließe. Doch nun füge ich hinzu: Ich bin froh, zumindest ein wenig von dem nachholen zu können, was ich auf die eingestandene Weise bisher versäumte.
Zweitens: Etwas, was eigentlich im Rahmen aller bisherigen Treffen hätte sein sollen und noch nie, zu meinem Bedauern, so recht in die Bahnen kam, ist diesmal gelungen; eine weitgehende Vorbereitung auf unser Treffen durch Teilnehmer unseres Kreises selbst. In diesem Zusammenhang nun etwa ausdrücklich Lukas zu nennen, ist gewiß überflüssig.
Drittens aber werden wir erleben, was wir soundso schon wissen konnten: Das Interesse weiter Kreise an allem, was aus dem fernen Osten kommt ‒ der Reiz des Fremden zieht da an, weil man, aus Bildungsmangel, mit dem eigenen nichts weiter anzufangen weiß (soviel nur als kleine Bösartigkeit) ... ‒, und zwar gerade auch in solchen Kreisen, die schon einmal aus bewahrter Gewohnheit ein Buch zur Hand nehmen, verlangt eigentlich von uns, sich wenigstens ein wenig mit dieser Tradition vertraut gemacht zu haben. Dieses besondere Interesse wird übrigens am Freitag dafür sorgen, daß es am Abend recht eng im Seminarraum wird ... Aber ich kenne das schon: Als ich einmal Konfuzius auf dem Programm hatte und ein andermal (mit Prof. Knut Walf aus Nijmegen) den Taoismus, war es ebenfalls „rappelvoll”. Es ist entsprechend gut, sich der geistigen Geschwisterlichkeit jener fernöstlichen Weisheitslehren, die weniger ein Wissen, als vielmehr eine Haltung und erworbene Verfassung des Lebens meinen, bewußt geworden zu sein. Und das, denke ich, wird das bevorstehende Wochenende allemal schaffen ...
Im übrigen werde ich in der Moderation des Wochenendes darum bemüht sein, die aus der Ferne zu uns sprechende Tradition nicht bloß als fremdes Faszinosum bestaunen zu lassen, sondern, so gut es gehen mag, mit den besten Traditionen unseres Kontinents ins Gespräch zu bringen. Aber unser Freund Lukas ist ja auch nicht etwa der Angestellte in einem buddhistischen Tempel, sondern eines gediegenen katholischen Verlages ...

Zuletzt noch eines:
Ich will an diesem Wochenende zugleich einen Übergang zum dritten Jahr schaffen, indem ich aus einem veröffentlichten „Kasen” zitiere ‒ der „Kasen” ist ein 36-versiges Kettengedicht, das traditionell von einem „Haiku” (dem Dreizeiler mit 5-7-5 Silbenschema und etlichen inhaltlichen Vorgaben) eingeleitet wurde, und dann abwechselnd mit 7-7-Silben-Versen weitere Haikus enthielt in einer Art Wechselgesang ‒, der von einem langjährigen Besucher der Philosophischen Praxis nicht nur als dieses Zwiegespräch mit einer anderen Lyrikerin verfaßt, sondern dessen Entstehung in der Beratung sehr gründlich begleitet wurde. (Angelika Ortrud Fischer und Wolfgang Manekeller, Bunte Wipfel. Ein Herstkasen. Oberhausen 2005) Von demselben Verfasser gibt es übrigens (und ich werde darauf eingehen) den bemerkenswerten Essay in einer anderen Veröffentlichung von ihm: „Das Gedicht - ein Brennpunkt Philosophischer Praxis”. (in: Wolfgang Manekeller, scheues wild wahrheit. Gedichte, Aphorismen, Prosa. Oberhausen 2002)
Zwei dieser in jenem Kasen beigetragenen Haikus, in deren Hintergrund umfangreiche Gespräche in der Praxis ihre Rolle spielen durften ‒ und mit denen ich deshalb insbesondere vertraut bin ‒ will ich hier schon einmal zitieren.
Der eröffnende Haiku, der die im gesamten Titel angesprochene Herbstlichkeit zum Ausdruck bringt, lautet:
    Die Kastanien
    zerplatzen auf der Erde.
    Kinder spielen Krieg.
Und ein späterer (der bereits eine winterliche Stimmung zum Ausdruck bringt):
    Träume werden wach.
    Der Schwarzbär löscht die Spuren
    vor seiner Höhle.
Habt Ihr den Anklang an den geliebten Gascogner herausgehört ...?
Damit vorerst genug, Ihr seht: Auch so wird sich ein direkter Bezug zur Praxis der Philosophischen Praxis ergeben.
Und nun grüße ich Euch alle herzlich und sage hier schon einmal und von hier aus dem Vorbereitungsteam den besonderen Dank ‒ ich denke wohl: ‒ im Namen aller.

Bis zum Wochenende!

Gruß Gerd

 




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