Gesellschaft für Philosophische Praxis (GPP) [www.g-pp.de]
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Studienkurs Inhalte + Technisches [GPP - Gesellschaft für Philosophische Praxis]

Die Philosophische Praxis: Philosophie als Beruf




Der Lehrgang/Studienkurs zur Philosophische Praxis. Beginn: 30. Jan. bis 1. Feb. 2015.

Das obligatorische (aber noch unverbindliche) Vortreffen - u.a. zum Kennenlernen untereinander - fand statt vom 14.-16. Nov. 2014 in Berg. Gladbach.

Zum Programm und Verlauf des Vortreffens näheres hier [1].


Inhalte des Lehrgangs im Überblick:

1. Der historische Teil in praktischer Absicht [2]
2. Praktische Philosophie im Blick auf Beratungsbelange [3]
3. Die Ordnungen der Philosophischen Praxis [4]
4. Philosophie des Gesprächs [5]
5. Rechenschaft und bedachtes Ziel [6]
6. Reflektierte Praxis [7]


Technisches

Umfang/Dauer des Studienkurses [8]
Kosten [9]
Termine [10]
Teilnehmerzahl [11]
Teilnahmebescheinigung [12]
Anmeldung [13]



Inhalte




1. Der historische Teil in praktischer Absicht



a.    Da die Philosophische Praxis ihr Selbstverständnis nicht zuletzt im Gespräch mit den geschichtlichen Gestalten der Philosophie entwickelt ‒ mit andern Worten: die Philosophische Praxis tritt ein reiches, vielfältiges Erbe an ‒, ist ein philosophiehistorischer Teil des Studienkurses unerläßlich. Er ist sogar mehr: er ist „grundlegend”.
Allerdings geht es dabei anders zu, als den Absolventen eines Philosophiestudiums wohl vertraut ist. Die Absicht ist nämlich nicht, zu erfahren, wie oder was dieser oder jener Philosoph nun dachte, wofür er stand, etwa gar „was sein Ansatz” war usw., es ist in diesem Lehrgang überhaupt nicht die Frage, wie ein Philosoph zu verstehen sei ‒ sondern sehr viel ambitionierter: wie mit ihm unsere Welt, unsere Probleme, unsere Fragen zu verstehen sind. Die Philosophien, die wir kennenlernen, sind nicht das Objekt unserer Beschäftigung, sondern ihr Blick soll in uns noch einmal und noch einmal neu lebendig werden. Wir leihen uns ihre Gedanken aus, nicht um über sie nachzudenken, sondern um mit ihnen denken zu lernen, wahrzunehmen, aufmerksam zu werden.
Auf diese Weise kommen die überlieferten Philosophien als Antworten auf Fragen zur Sprache, wobei die Philosophische Praxis das besondere Interesse mitbringt, solche Fragen an die Philosophie zu stellen, die sich für Menschen heute im Zuge problematischer Lebensbewältigungsgeschichten ergeben.
Der philosophiehistorische Kurs wird damit – in seminarphilosophisch unvertrauter Weise – die Aufmerksamkeit insbesondere auf Fragen der Lebensführung richten, orientiert an der sokratisch leitenden Gewißheit, nur ein geprüftes sei ein gutes Leben.

b.    Die interessierte Gewichtung, welche Texte und Traditionen der aneignenden Beachtung vorzüglich wert sind, wird im Weiterbildungsgang Philosophische Praxis anders vorgenommen werden, als dies im Rahmen des gewöhnlichen Studiums üblich ist.
Einerseits wird die praktische Philosophie im Vordergrund stehen. Dabei werden infolge des besonderen Interesses, das jetzt an die Philosophiehistorie herangetragen wird, auch Philosophien, die sonst etwa mangelnder „Originalität” wegen gering geachtet wurden, nachdrücklich gewürdigt. So beispielsweise die Denker (und Lebenspraktiker) der römischen Stoa, Epiktet, Seneca, der Philosophenkaiser Marc Aurel, aber auch ein Mann wie Plutarch oder Cicero, später dann Gracian ‒ dessen kluges „Handorakel” immerhin Schopenhauer in ein elegant-treffliches Deutsch übersetzte ‒, der gescheite Menschen- und Selbstkenner Montaigne, der „heimgesuchte” Grübler Pascal, in der Folge die französischen Moralisten.
Doch, um noch einen hierher gehörigen Namen zu nennen, auch der Freiherr von Knigge mit seinem so aufklärenden wie aufgeklärten Meisterwerk „Über den Umgang mit Menschen” werden wir zur Mitsprache einladen.
Und wenn es die Zeit erlaubt, werden wir uns ernsthaft die Frage vorlegen, ob es uns eigentlich ansteht, weiterhin verächtlich von der sogenannten „Popularphilosophie” zu denken, wie sie in unserer Gegenwart beispielsweise ein „entlaufener” Philosoph wie Paul Watzlawick mit großem Erfolg unter das Lesepublikum gebracht hat ‒ mit viel Witz und entwaffnendem Humor.

c.    Die Frage, „wer gehört eigentlich zu unserer (philosophischen) Tradition”, wird ebenfalls erneuert, sobald die Philosophische Praxis sie sich stellt.
Was ist etwa mit Konfuzius ‒ um als Vertreter Asiens nur ihn zu nennen ‒, was ist, um einen der „Unsrigen” dabei zu stellen, mit Meister Eckhart?
Und wie reden „Dichter” wie Goethe oder Novalis mit, sofern sie zu Philosophen reden, die wissen, was es heißt, sich in der Praxis zu bewähren?
Es werden für uns aber nicht nur andere Gewährsleute wichtig, sondern ebenso sind es jetzt andere Textsorten, die als beachtenswert gelten: zum Beispiel Quellen der Menschenkenntnis, wie sie sich zumal in Korrespondenzen, Tagebüchern, Biographien oder der großen Literatur auffinden lassen.
Schließlich werden wir auch dort suchen, wo bisher in Philosophiestudien noch kaum je gesucht wurde, und wir werden „fündig” werden: in der Weisheitstradition der Sprichwörter und Märchen.
Und jeweils abends (am Samstag) werden es herausragende Filme sein, die uns zum Anlaß und zur Herausforderung an eine praktisch belangvolle Dechiffrierkunst werden.
Daß zumal die herausragenden Gestalten neuerer Philosophie, daß also Kant, Hegel, Schopenhauer, Nietzsche, Kierkegaard – um nur sie zu nennen – als Hauptwegbereiter einer heute erforderlichen Philosophischen Praxis besonders beachtet werden und sozusagen fortwährend „im Hintergrund mit anwesend” sind, versteht sich nahezu von selbst. Doch auch im Blick auf sie gilt: Es sind womöglich andere Texte, die nun im Interesse der Philosophischen Praxis in den Vordergrund rücken. So Kants „Anthropologie in pragmatischer Hinsicht” ‒ in der wahrhaftig der „Doktor der Weltweisheit” spricht ‒ oder sein „Trostbrief” an die Frau Rittmeisterin von Funk (aus Anlaß des Todes seines Schülers Johann Friedrich von Funk), von Schopenhauer werden uns in erster Linie seine „Aphorismen zur Lebensweisheit” beschäftigen, die gewöhnlich einer Beachtung im ordentlichen philosophischen Seminar nicht gewürdigt werden, und (beispielsweise) Kierkegaards „Entweder - oder” werden wir als eine vorzügliche philosophische Beratung rekonstruieren, dazu seine Selbstauskunft über seine Weise, philosophisch wirksam zu werden, in seinem weniger bekannten Text „Über den Gesichtspunkt meiner Wirksamkeit als Schriftsteller”.
Mit andern Worten: Die Frage, was in der Philosophie Haupt-, was Nebensache ist, stellt sich aufgrund der besonderen Nachfrage neu, mit der sich die Philosophische Praxis an die Geschichte der Philosophie wendet.

d.    Begleitend wird der Studienkurs Philosophische Praxis mit Literatur zur Philosophischen Praxis bekanntmachen, sofern sie Beachtung verdient.

Zusatz:    Die Teilnehmer am „Lehrgang Philosophische Praxis” haben nach den ersten zwei Jahren (und damit nach dem historischen Teil in gegenwärtigem Interesse) eine Textsammlung von mehreren hundert Din-A-4-Seiten in den Händen, die einschlägige Passagen aus den Werken der behandelten Philosophien versammeln.




2. Praktische Philosophie im Blick auf Beratungsbelange



a.   Teil des Lehrgangs Philosophische Praxis ist die praktische Philosophie / Ethik, wobei – im Vergleich zum üblichen Philosophie-Studium – andere Thematiken und Probleme philosophisch gewürdigt werden. Die Nennung einiger „Titel”, die uns im Verlauf der Weiterbildung beschäftigen werden, soll andeuten, welche Art Fragen nunmehr philosophiepraktisch belangvoll werden.
Etwa: „Über das Ethos des Sprechens und Hörens”, „Wie der Gast der Philosophischen Praxis angesehen wird”, „Ethos der Menschenkenntnis und des Umgangs”, „Was es heißt, ›im anderen bei sich selbst zu sein‹”, „Leiden und Trost”, „Ausweglosigkeit und Zuversicht”, „Hoffnung, Lebensmut, Vertrauen”, „Vom Geist der Verzeihung”, „Annehmen oder Erleiden”, „Scheu vor Menschen”, „Die Liebe und ihre Kollisionen”, „Scheiternde Lebensläufe”, „Über die Heillosigkeit, die darin liegen kann, daß ein Mensch darauf beharrt, sich selbst ›moralisch‹ anzusehen”, „Von der Schamlosigkeit, die darin liegt, daß einer seiner Scham sich schämt und davon loskommen möchte”, „Über Unduldsamkeit”, „Über die Versuchung des Belehrens”, „Über die Anmaßung, Menschen ändern (›bessern‹) zu wollen”, „Ethos als Haltung”, „Was eine Orientierung sein könnte”, „Der Sinn von Sinnfragen”, „Geschlechterkonfusion”, „Philosophie der Lebensalter”, „Einsamkeit”, „Trauer und Melancholie”, „Fragmentarisches und erfülltes Leben”, „Kontinuitäten, Umwege, Brüche”, „Versuchungen, Verführungen, Schwächen”, „Die Masken der Laster”, „Fügung oder Zufall”, „Mutlosigkeit”, „Tragische, komische und traurige Geschichten”, „Formen religiöser Verwahrlosung”, „Wachsein oder Verludern” usw. usf.

b.   Ein weiterer Teil des Lehrgangs Philosophische Praxis wird eine erneuerte Lehre der philosophischen Vermögen sein. Auch hier nur Titel höchst ungleichen Umfangs, die andeuten, worauf die Aufmerksamkeit gelenkt werden wird: „Verstehen”, „Lebenskönnerschaft”, „Menschenkenntnis”, „Erfahrung”, „Einfühlung”, „Vertrauen”, „Respekt”, „Tugenden”, „Humor”, „Heiterkeit” u. a.




3. Die Ordnungen der Philosophischen Praxis



Ein eigenständiger Bereich des Weiterbildungsganges wird den Ordnungen der Philosophischen Praxis gewidmet sein. Themen sind hier u. a.: „Die Zeit als Bedingung des Gesprächs”, „Der Raum als Ambiente des Gesprächs”, „Atmosphärisches als Arrangeur der Gedanken”, „Die Stimmung als Animateur fälliger Einsicht”, „Verpflichtungen”, „Wofür wir haften” usw..




4. Philosophie des Gesprächs



Besonderes Gewicht wird in diesem Lehrgang auf die Philosophie des Gesprächs gelegt werden. Themen sind hier etwa: „Erneuerungen der Rhetorik”, „Was hieße ›Gesprächstechnik‹?”, „Bestimmend ist das ›Ethos des Gesprächs‹”, „Inwiefern die Antwort auf ein Gefühl (eine Geste) ein Gefühl (eine Geste) ist”, „Zur Entwicklung des Verständnisses im Gespräch”, „Wie Gedanken im Gespräch in Fluß geraten und sich entfalten”, „Konsens, Dissens und die gewöhnliche Unbrauchbarkeit von Argumenten”, „Überraschen, Überzeugen, Verführen, Verwickeln”, „Das Gewicht der Erzählung”, „Die Kraft des Beispiels” usw.




5. Rechenschaft und bedachtes Ziel



Die Teilnehmer am Lehrgang werden dazu angehalten, über die Ziele der Philosophischen Praxis zu reflektieren. Themen: „Das Ziel der Philosophischen Praxis sind Klärung und Aufklärung”, „Gewinn von Orientierungen”, „Versöhnung”, „Anerkennung”, „Neuanfang und Entschluß”, „Wieviel Beachtung den Interessen des Gastes der Philosophischen Praxis zukommt” usw.




6. Reflektierte Praxis



a.   Im praktischen Teil des Studienkurses (im engeren Sinn) werden Analysen einzelner Beratungen und anschließende Übungen eine herausragende Rolle spielen. Um hier wiederum mit Themen anzudeuten, wie in diesem Teil des Seminars auf besondere Fragen aufmerksam gemacht werden wird, seien genannt: „Ein Gast und seine Sorgen”, „Ein zweiter Gast und seine Ängste”, „Ein dritter Gast und seine Hoffnungslosigkeiten”, „Ein vierter Gast und seine Unsicherheiten”, „Ein fünfter Gast und seine Entzweiung mit der Welt”, „Ein sechster Gast und seine Wut und seine Verbitterung”, „Ein siebter Gast und seine Enttäuschungen” usw.

b.   Nicht zuletzt werden Supervisionen integraler Bestandteil des Lehrgangs sein.

c.   Fakultativ kann eine frei vereinbarte Lehrpraxis den Studienkurs ergänzen.



Technisches:




Umfang / Dauer des Studienkurses



Der dreijährige Kurs umfaßt jährlich je vier verlängerte Wochenenden ‒ die jeweils am Freitag, nachmittags um 16:00 Uhr beginnen, abends den „Freitag-Vortrag” einschließen, der von mir thematisch ins Wochenende eingefügt wird und für die Teilnehmer des Lehrgangs kostenfrei ist, und dann mit dem Tagesseminar am Samstag und dem Seminar am Sonntag Vormittag fortgesetzt werden ‒ sowie jeweils zwei 7-tägige Seminare. [Das sind 3 X 178 oder 534 Stunden bzw. 67 Arbeitstage.]



Kosten:



Die Teilnahmekosten für den Lehrgang betragen 3 X 2.640 €.
Das sind 220 € pro Monat bzw. 14,83 € pro Unterrichtsstunde.
Zahlungsmodus: Teilnehmer verpflichten sich zur Zahlung von 220 € pro Monat. Bei jährlicher Zahlung im voraus zu Beginn des jeweiligen Lehrgangjahres werden 2 % Skonto gewährt (2587 € statt 2640 €).

Kündigungsbedingungen sind im Weiterbildungsvertrag geregelt.
Eine verbindliche Teilnahme-Entscheidung wird spätestens nach dem ersten 7-Tage-Block erwartet.



Die Termine des ersten Studienkursjahres



Die Termine und Themen des 1. Lehrgang-Jahres finden Sie hier [14]

Die Termine für das zweite Lehrgang-Jahr werden im Verlauf des ersten festgelegt, die für das dritte im zweiten.



Teilnehmerzahl-Begrenzung



Angestrebt wird eine Gruppe von nicht mehr als zwölf Teilnehmern.



Teilnahmebescheinigung:



Den Teilnehmern wird nach Abschluß des dreijährigen Kurses die Teilnahme zertifiziert.



Anmeldung



Interessenten melden sich bitte zum persönlichen Vorgespräch bei Dr. Achenbach [15].


 


Link-Referenzen:
[1] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp5_Vortreffen.asp
[2] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#hist
[3] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#prakt
[4] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#ord
[5] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#pg
[6] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#rbz
[7] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#rp
[8] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#umf
[9] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#ko
[10] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#term
[11] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#tz
[12] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#tb
[13] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp_inh_technisches.asp#anm
[14] http://www.g-pp.de/de/studienkurspp5.asp
[15] http://www.g-pp.de/de/kontakt_achenbach.asp