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Dr. Gerd B. Achenbach: Nietzsche. Der Philosoph der Morgendämmerung und einer späten Welt im Abendlicht

Freitag-Vortrag vom 2. Juni 2023
CD Nr. 631
... der „Morgendämmerung” allemal, heißt doch eines seiner Frühwerke ‒ ankündigend programmatisch: „Morgenröte”. Da wird zum Aufbruch in bislang unbekanntes Gelände geblasen. Hören wir Nietzsche selbst, der in seiner späten Schrift „Ecce homo” auf dieses „Buch für freie Geister” so zurückblickt:

›Es giebt so viele Morgenröthen, die noch nicht geleuchtet haben‹ – diese indische Inschrift steht auf der Tür zu diesem Buche. Wo sucht sein Urheber jenen neuen Morgen, jenes bisher noch unentdeckte zarte Rot, mit dem wieder ein Tag – ah, eine ganze Reihe, eine ganze Welt neuer Tage! – anhebt? In einer Umwertung aller Werte, in einem Loskommen von allen Moralwerten, in einem Jasagen und Vertrauen-haben zu Alledem, was bisher verboten, verachtet, verflucht worden ist. Dies jasagende Buch strömt sein Licht, seine Liebe, seine Zärtlichkeit auf lauter schlimme Dinge aus, es gibt ihnen ›die Seele‹, das gute Gewissen, das hohe Recht und Vorrecht auf Dasein wieder zurück. Die Moral wird nicht angegriffen, sie kommt nur nicht mehr in Betracht ...

Und doch klingt, selbst in dem noch früheren Werk, in „Menschliches, Allzumenschliches”, zugleich eine melancholische Stimmung durch, das genaue Bewußtsein, am Ende einer großen, gewaltigen Geschichte zu stehen, ein Spätgekommener zu sein, nurmehr Nachhut einer bedeutenden Kultur.

Dunkel-Zeiten. – ›Dunkel-Zeiten‹ nennt man solche in Norwegen, da die Sonne den ganzen Tag unter dem Horizonte bleibt: die Temperatur fällt dabei fortwährend langsam. – Ein schönes Gleichniss für alle Denker, welchen die Sonne der Menschheits-Zukunft zeitweilig verschwunden ist.”

Und womöglich nochmals deutlicher ...:

Das Auseinanderfallen, also die Ungewißheit ist dieser Zeit eigen: nichts steht auf festen Füßen und hartem Glauben an sich: man lebt für morgen, denn das Übermorgen ist zweifelhaft. Es ist Alles glatt und gefährlich auf unsrer Bahn, und dabei ist das Eis, das uns noch trägt, so dünn geworden: wir fühlen Alle den warmen unheimlichen Athem des Thauwindes ‒ wo wir noch gehen, da wird bald Niemand mehr gehen können.

In seinem „Zarathustra” finden sich nicht selten in einer und derselben Rede beide Aspekte zugleich: die des Untergangs und Endes und solche des Aufbruchs und neuer Zuversicht. Ich zitiere:

Nicht nur die Vernunft von Jahrtausenden ‒ auch ihr Wahnsinn bricht an uns aus. Gefährlich ist es, Erbe zu sein.”

Und nur wenige Zeilen später:

Tausend Pfade giebt es, die nie noch gegangen sind; tausend Gesundheiten und verborgene Eilande des Lebens. Unerschöpft und unentdeckt ist immer noch Mensch und Menschen-Erde.

Und:

Wahrlich, eine Stätte der Genesung soll noch die Erde werden! Und schon liegt ein neuer Geruch um sie, ein Heil bringender, ‒ und eine neue Hoffnung!

Der späte Nietzsche schließlich sah vor allem Symptome der décadence allüberall, ein Auslaufen, Zuendegehen, Schwach- und Ängstlich-Werden. Man riskiert nicht gern (sei es, was es wolle), liebt sich die Sicherheit, verkriecht sich, bindet sich Tücher vor, duckt sich weg.

So oder so: Nietzsche soll vorgestellt werden als der Mann des Interims, des Übergangs, des Zwiespalts und einer Zwischenzeit. Mit einem Wort: Er ist „unser Mann”.
 
 




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