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Dr. Gerd B. Achenbach: Einsamkeit

Freitag-Vortrag vom 16. Juni 2023
CD Nr. 632
Über Einsamkeit und die panische Furcht davor - die manch einen befällt - ist schon viel gewitzelt worden. So meinte der Däne Kierkegaard, wer von Zeit zu Zeit die Einsamkeit suche, verrate damit bereits, daß da „eine tiefere Natur” sei, um dann mit dem Biß seines hauseigenen Humors fortzufahren:

Überhaupt ist der Drang zur Einsamkeit ein Zeichen dafür, daß Geist in einem Menschen ist, und ein Maßstab dafür, wes Geistes sie sind. ›Die nur schwatzhaften Un- und Mitmenschen‹ fühlen in solchem Grade kein Bedürfnis nach Einsamkeit, daß sie wie die Gesellschaftsvögel gleich sterben, wenn sie nur einen Augenblick allein sein müssen; wie das kleine Kind in den Schlaf gesungen werden muß, so brauchen diese das beruhigende Einlullen des Gesellschaftlichen, um essen, trinken, schlafen, beten, sich verlieben usw. zu können. Aber sowohl in der Antike wie im Mittelalter war man doch aufmerksam auf diesen Drang nach Einsamkeit, hatte Respekt davor, was er bedeutet; in dem Unentwegt-Gesellschaftlichen unserer Zeit gruselt man sich in dem Grade vor der Einsamkeit, daß man (o herrliches Epigramm!) sie zu nichts anderem zu gebrauchen weiß als zur Strafe für Verbrecher. Doch es ist wahr, in unserer Zeit ist es ja ein Verbrechen, Geist zu haben, da ist es in seiner Ordnung, daß solche, die Liebhaber der Einsamkeit, in eine Klasse mit Verbrechern kommen.

Man hört hindurch: Einsamkeit ist eine ernste Angelegenheit - Hans Kudszus schlug vor, „das Recht auf Einsamkeit” in den internationalen Katalog der Menschenrechte aufzunehmen -, doch ich denke: Wir sollten Kierkegaard nicht allein und nie nur für sich zitieren, wir sollten ihm stets eine beispringende Passage aus der Feder Nietzsches zur Seite stellen. Hier ist eine solche:

Inzwischen nämlich lernte ich, was jetzt Wenige verstehen, Einsamkeit ertragen, Einsamkeit - ›verstehen‹, und ich würde es heute geradezu mit unter die wesentlichen Anzeichen eines ›freien Geistes‹ setzen, daß er lieber allein läuft, lieber allein fliegt, ja selber noch, wenn er einmal kranke Beine hat, lieber allein kriecht.
Die Einsamkeit tödtet, wenn sie nicht heilt: das ist wahr; die Einsamkeit gehört zu einer schlimmen und gefährlichen Heilkunst. Aber gewiß ist, daß sie, wenn sie heilt, auch den Menschen gesünder und selbstherrlicher hinstellt, als je ein Mensch in Gesellschaft, ein Baum in seinem Walde stehen könnte: Einsamkeit erprobt am gründlichsten, mehr als irgend eine Krankheit selber, ob Einer zum Leben geboren und vorbestimmt ist - oder zum Tode, wie die Allermeisten. Genug, ich lernte erst aus der Einsamkeit heraus die zusammengehörigen Begriffe ›freier Geist‹ und ›Gesundheit‹ ganz zu Ende denken.

Der Abend ist zugleich Teil eines Treffens des gegenwärtigen Lehrgangs zur Philosophischen Praxis, der mit Reflexionen zur Einsamkeit - nicht zu vergessen: zur „Einsamkeitsfähigkeit” - an diesem Wochenende in sein drittes, „praktisches” Jahr startet.
Der Besuch des Freitag-Vortrags aber steht jedem Interessierten offen.
 
 




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