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Neujahrs-Wochenende 2026 in der Eifel [GPP - Gesellschaft für Philosophische Praxis] || nach oben springen || Startseite der GPP

Die Gesellschaft für Philosophische Praxis (GPP)
lädt ein zum
Philosophisch-literarischen Neujahrs-Wochenende
im Gästehaus des Klosters Steinfeld / Eifel 

Blick auf den Eingang zum Hauptgebäude, in dem sich auch der Seminarraum befindet.
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Blick auf den Eingang zum Hauptgebäude, in dem sich auch der Seminarraum befindet.

Freitag, 2. Jan., bis Sonntag, 4. Jan. 2026

Leitung: Dr. Gerd B. Achenbach

         „Lob der Erde”
                    und
     „Sprechen über Gott”

Zwei außerordentliche Schriften von
        Byung-Chul Han

        „Nur aufmerksames Denken hat einen Blick.
        Das Denken ohne Blick gleicht der Intelligenz,
        dem Rechnen, das nichts Neues hervorbringt.
        Das blickhafte Denken hingegen bringt etwas hervor,
        das noch nicht existiert.”

        „Der Glaube befähigt uns, das Unsichtbare zu sehen.”

        (Byung-Chul Han)

Zwei ganz und gar außerordentliche Bücher: beide dem Umfange nach eher „Schriftchen” als „Werke” ‒ am ehesten gingen sie als „Bändchen” durch ‒, ihrer Bedeutung, ihrem philosophischen Schwergewicht nach allerdings wiegen sie, vor allem das eine der beiden, womöglich ganze Bibliotheken auf. Ich übertreibe? Nein, ich übertreibe nicht.

Vielmehr scheint mir kein Bild stark genug, um gültig auszudrücken, was dem Verfasser, dem aus Korea zugewanderten Philosophen und Ausnahmedenker Byung-Chul Han, mit diesen zwei Büchern gelang: Ein geistiger Umsturz, ein von den tiefsten Denkern sei langem erwarteter, freilich vergeblich gesuchter Paradigmenwechsel, nicht die Ankündigung nur einer neuen Epoche, sondern in ihr bereits ein ‒ wenngleich noch zaghaftes, erstes ‒ nach Hause kommen.

Da aber das erste, was sich in solchen seltensten Fällen sagen läßt, das ist, was mit einer solchen Revolution überwunden wird, was nun und mit ihr zur Vergangenheit herabgesetzt wurde, seine Geltungsansprüche verlor und seine Macht einbüßte, so sage ich: Mit „Lob der Erde”  und dann vor allem mit dem erst jüngst erschienenen „Sprechen über Gott”  ‒ einem fiktiv mit der Mystikerin Simone Weil gehaltenen „Dialog” ‒ ist Han als dem Ersten der Ausbruch aus dem „stahlharten Gehäuse” (Max Weber) der Moderne gelungen.

Da spricht zu uns Weltkindern eine Stimme, die ‒ man weiß nicht, wie das auch nur möglich sein kann! ‒ dem allgegenwärtigen Glaubensverlust und Gewißheitsschwund entkommen ist und uns nun wie ein erster Morgenruf nach einer wie es schien nicht enden wollenden Winternacht erreicht.

Da vernehmen wir verwundert, zunächst ungläubig noch, eine bisher unerhörte Sprache, die oftmals klingt, als wolle sie gesungen werden und eigens für sie müsse uns außerdem ein drittes Ohr nachwachsen. Und eine frühe Helle blendet uns, an die unsere Augen sich erst noch zu gewöhnen haben werden. Sogenannte Selbstverständlichkeiten verblassen da wie eine trübe Funzel im Licht der aufgehenden Sonne und es purzelt, was eben noch felsenfest zu stehen schien. Was hingegen bis dato undenkbar war, steht mit einem Male da, als sei es schlechtdings „evident”.

Han wartet mit Bekenntnissen auf, für die wir andernfalls nur ein müdes Schulterzucken übrig hatten, sofern wir sie nicht kopfschüttelnd belächelt hätten ‒ etwa als Relikt aus längst verschollenen Zeiten oder fromme Betulichkeit weltfremder Spinner.

So gesteht er uns gleich auf der ersten Seite seiner „Reise in den Garten” ‒ aus der kein „Gartenbuch”, aus der ein „Lob der Erde” wurde ‒, er sei „tief davon überzeugt, dass die Erde eine göttliche Schöpfung ist.” Und, so als sei dies der Beweisgrund, bekräftigt er: „Ich habe es gesehen.”

Solche Sätze, in dümmlicher Rechthabermanier für sich genommen und dem „kritischen Bewußtsein” unserer Neunmalklugen ausgeliefert, fallen ohne Zweifel auf der Stelle durch, sofern sie die gewitzte Auf- und Abgeklärtheit der nichts als Gegenwärtigen nicht gleich abtut als „unter aller Kritik”.

Doch die so höhnen, wissen nicht, was sie tun. Der Befund: Sie „haben jede Ehrfurcht vor der Erde verloren”. Und wie? „Wir”, sagt Han und meint uns Gegenwärtigen, „wir sehen und hören sie nicht mehr.”

Damit aber klingt, von Han vergegenwärtigt, noch einmal jene Warnung an die Modernen nach, die einst schon Goethe und in seinem elaborierteren Tonfall Hölderlin anstimmten ‒ ohne gehört zu werden, leider.

Kann es sein, daß erst jetzt, zweihundert Jahre später und reicher an Erfahrungen mit dem Zerstörungspotential technisch aufgerüsteter Naturbeherrschung, daß wir erst jetzt empfänglich werden für eine Weltsichtweise, die den Planeten Erde nicht nach seinen „Ressourcen” taxiert, was seinen Verbrauch anleitet, sondern die Erde, „unsere Erde”, in ihrer Schönheit schaut und dies als Verpflichtung begreift, sie auch „schön”, das heißt schonend zu behandeln. Dann begriffen wir als Imperativ: „Es gilt, mit dem Schönen schonend umzugehen.”

Wen wird es wundern, daß dieses erste der zwei Bücher, die uns im Rahmen unseres Neujahrwochenendes beschäftigen werden, das „Lob der Erde”, selbst in seriösen Medien durchaus hämisch, wenn nicht sarkastisch abgetan oder verspottet wurde? Und wirklich: Für einen gegenwartskonform zurechtgebrachten Kopf, sagen wir für den nach Norm geschulten Intellektuellen sind die meditativen Exkurse im ‒ überwiegend winterlichen ‒ Garten verständlicher Weise eine Zumutung. Ein Rezensent wußte sich nicht anders zu helfen als mit Pauschal-Verdikt: „Geschwafel”. ‒ Vielleicht sollte man diesen besprechenden Herrn fragen, was er denn von jenem Satz aus Hölderlins Hyperion halte, den Han einem seiner Kurzkapitel als Motto voranschickt:

Wir nannten die Erde eine der Blumen des Himmels, und den Himmel nannten wir den unendlichen Garten des Lebens.

Natürlich, für einen schulisch und womöglich obendrein noch universitär zurechtgestutzten Zeitgenossen ist auch das nichts als blumig aufgeblasenes Geschwafel. „›Himmel‹? Ha-Ha! Was meint er denn, der wortemachende Herr Dichter: Die Troposphäre? Stratosphäre, wie? vielleicht noch ein bißchen drüber die Mesosphäre? Thermosphäre? oder will er richtig weit hinaus, wo er in die Exosphäre landet?”

An dieser Stelle angelangt ist freilich eine Einschränkung am Platz:

Mein Vorschlag, an unserem Neujahrs-Wochenende nicht nur das ungleich bedeutendere, gewichtigere „Sprechen über Gott” ‒ dieses Dokument seiner lebenswendenden Begegnung mit der inoffiziell heiligen Simone Weil, die in ihn „eingezogen” sei und sich in seiner „Seele eingerichtet” habe ‒, sondern auch jenes „Lob der Erde”, das Protokoll seiner „Reise in den Garten” vorzustellen, bedarf der Rechtfertigung, denn meiner Einschätzung nach erreicht dieses frühere Buch bei weitem nicht die Höhe, in der wir Han in seinem „Sprechen über Gott” antreffen. Es hat ihn wohl doch die friedliche Zwiesprache mit Anemonen und Kamelien (Camellia japonica) nicht so inspiriert, wie der spätere „Dialog” mit der ungeheuerlichen Simone Weil.

Aber als Präludium und Suchlauf, als vorausgegangene Askese ‒ fast sagte ich: als geistiges Fasten ‒ und so als Vorbereitung auf den „Durchbruch”, der Byung-Chul Han dann im innig-konzentrierten Dialog mit der außerordentlichen Weil gelang ‒ oder widerfuhr? ‒, als Zeugnis seines Aufbruchs in ein Novum ist mir auch dieses (bezeichnenderweise bei Ullstein, statt wie sonst bei Matthes&Seitz herausgebrachte...) Vorgänger-Buch willkommen.

Was aber die Außerordentlichkeit seines „Dialogs mit Simone Weil” angeht, so habe ich im angemessen schwärmerischen, keinen Superlativismus scheuenden Ton dieses „Werk” (jetzt eben doch!) schon einmal im zurückliegenden Sommer als ein ganz und gar einmaliges Lese-Ereignis angekündigt und vorgestellt, eine Annonce als Dokument eigener Begeisterung siehe hier, der ich mich jetzt wie eines Steinbruchs bediene, indem ich einiges daraus wiederhole.

Dieses Buch, so schrieb ich dort ‒ noch unter dem Eindruck der ersten, unverhofften Lektüre ‒, habe mich sogleich an das geheimnisvolle Wort Kafkas denken lassen, ein Buch habe wie „die Axt für das gefrorene Meer in uns” zu sein, denn etwa so sei es mir ergangen, als mich dieses Buch als Leser aufnahm. Mein Eindruck: da treffe uns nach langer, drückend über allem lagernder Verhangenheit und unheilschwangerer Trübe und Düsternis ein erster morgenheller, sonnenklarer Lichtstrahl und einen Spalt weit täte sich der Himmel auf, jener „ganz andere Ort”, von dem die Besten unter uns Menschen „empfingen”, und ihnen gingen die Augen auf.

Da schreibe einer wie der Erste eines neuen Äons, wie einer, der wundersamerweise aus den Befangenheiten und Verstrickungen der alles vermüllenden Moderne freikam und offenbar in der frischen Luft eines gänzlich neuen Tages erwachte ‒ und wir, seine Leser, sofern wir für seine Botschaft empfänglich sind, mit ihm.

Und schon damals (damals? das war im Frühsommer dieses Jahres ...) fragte ich mich: Wie war das möglich? Wie wurde das möglich?

Meine Antwort aber lautete: Durch die Begegnung mit einer Frau, einer verzweifelt begabten und schmerzlich erleuchteten, einer sozial-engagiert Einsamen, einer aus jenen „Auserwählten” auserwählten, einer Rebellin der Demut, einer taghell-nüchternen Mystikerin, Philosophin, Prophetin, die ‒ o Wunder! ‒ selbst aufgeklärt Abgeklärte in Versuchung bringt, sie als Heilige einer zukünftigen Religion zu verehren: Simone Weil.

Heinrich Böll hat einmal von ihr bekannt:

Ich bin ihr nicht gewachsen, intellektuell nicht, moralisch nicht, religiös nicht. Was sie geschrieben hat, ist weit mehr als ‚Literatur‘, wie sie gelebt hat, weit mehr als ‚Existenz‘. Ich habe Angst vor ihrer Strenge, ihrer sphärischen Intelligenz und Sensibilität, Angst vor den Konsequenzen, die sie mir auferlegen würde, wenn ich ihr wirklich nahe käme.

Das ist bemerkenswert, weil einer ihr nun doch „nahe kam”, offenbar ohne „Angst vor ihrer Strenge” und „sphärischen Intelligenz”, eben der in Deutschland lebende Byung-Chul Han, der sein Büchlein „Sprechen über Gott” als „Dialog mit Simone Weil” angelegt hat und gleich eingangs bekennt:

Vor einiger Zeit ist Simone Weil in mich eingezogen. Sie hat sich in meiner Seele eingerichtet. Nun lebt und spricht sie in mir weiter. Ich begann ein inneres, inniges Gespräch mit ihr. Ich empfand eine tiefe Zuneigung zu ihren Gedanken. Sie sprach etwas in meiner Seele an, dessen ich mir bisher nicht eigens bewusst war, das ich aber ständig, ja inständig in mir trug. Sie trat in mein Leben in einer Zeit, in der ich selbst jene Kraft spürte, die   v o n   o b e n   kam, die stärker war als ich selbst, die 1937 Simone Weil in der kleinen romanischen Kapelle in Assisi Santa Maria degli Angeli, wo der heilige Franziskus oft betete, auf die Knie zwang.

Dieses geistige Zwillings-Wesen ‒ die 1943 vierunddreißigjährig Verstorbene und der heute sechsundsechzigjährige Philosoph ‒ hat ein Werk ohnegleichen zur Welt gebracht. Ich wage das Äußerste: es ist eine Offenbarung.

Nun, zur Ankündigung der zurückliegenden Sommer-Akademie habe ich so ausführlich von diesem Buch berichtet, weil ich unser Sommer-Seminar damit anzureichern vorhatte.

Wie sehr aber das „Sprechen über Gott” tatsächlich am Platze war, wenn doch das eigentliche Hauptthema Joseph von Eichendorff und dessen erz-romantische Taugenichts-Novelle war, wird jetzt nach der Lektüre seines „Lob der Erde” nochmals deutlicher, indem Han darin als Antidot für eine erkaltende Moderne unerschrocken eine erneuernde Begegnung mit der Romantik erwägt, ja eine „Re-romantisierung”, die einzig der Welt „die Würde des Geheimnisvollen, des Schönen, des Erhabenen zurückzugeben” in der Lage sei.

Ich breche ab.

Mit einem Wort: Eine reiche geistige Inspirationsquelle für dieses Wochenende, daß uns wieder einmal zur Eröffnung des neuen Jahres in die Eifel entführen möchte, ins Gästehaus des Klosters Steinfeld , wo wir schon viele Male ‒ und immer zufrieden ‒ zu Gast waren.

Wer sich diesem Abenteuer gewachsen glaubt, sei herzlich eingeladen, dabei zu sein.

Alles Organisatorische, Beginn, Ende, An- und Abreise, Kosten usw. siehe hier.
 




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