Gesellschaft für Philosophische Praxis (GPP) [www.g-pp.de]
Philosophische Seminare und Informationen zur Philosophischen Praxis


Navigation überspringen || Startseite der GPP

Standard-Navigation:


Aktuelle Seiten-Auswahl:


[GPP - Gesellschaft für Philosophische Praxis] || nach oben springen || Startseite der GPP

Unser Absolvententreffen


im „Haus der Philosophischen Praxis”,
der Villa Hartungen im Südtiroler Ultental

von Sa., den 3. Oktober, bis So., den 11. Oktober 2026

Unser Haus vom Ultner Höfeweg aus gesehen
[+]
Unser Haus vom Ultner Höfeweg aus gesehen



                            Gleichwie auf dunklem Grunde
                            Der Friedensbogen blüht,
                            So durch die böse Stunde
                            Versöhnend geht das Lied.
                            (Joseph von Eichendorff)


Das Thema:

Zur Revision wissenschaftlicher Übersetzungsleistungen

Gibt es da ein Problem mit den wohletablierten wissenschaftlichen Übersetzungsleistungen? Und wenn ja: Was ist darunter zu verstehen?

Ich wähle ein Beispiel, das uns ohnehin beschäftigen wird: Sprachen die Beteiligten und Anteilnehmenden einst von „Melancholie” oder „Schwermut”, empfand man „Traurigkeit” oder „Trübsal”, die eine mutlose Seele niederdrücken mochte, womöglich „heimgesucht” von „Weltschmerz” oder „Kummer” („Kümmernis”), hat die psychologische Beobachter- und Helferbranche in der Regel nur noch den einen Sammelbegriff zur Verfügung ‒ den mit dem entsprechenden Häkchen im vorgesehenen Kästchen: „Depression”. Wie aber, wenn im wissenschaftlich gewandeten Auftritt, in solcher „Übersetzung”, etliche Bedeutungsnuancen der altüberlieferten Vokabeln, die zugleich und ebenso Verstehens-Chancen boten, verloren gingen? Und könnte es unser Auftrag sein, jenen verlorenen Begriffen beizustehen, was Betroffenen gestattet, von sich selbst mit menschlichen Worten menschlich, vielleicht einzig menschenwürdig zu sprechen, anstatt sich wie Dinge zu „kategorisieren”?

Oder was ist (beispielsweise) mit dem in den scientific communities gehandelten „Narzißmus”, heute von den Behandlungsexperten als „narzisstische Persönlichkeitsstörung” katalogisiert? Immerhin haben wir es hier mit einem Begriff mythologischen Ursprungs zu tun, was ihn auszeichnet, denn insofern ist er noch immer einer Geschichte verschwistert, die sich erzählen läßt. Doch wie er nunmehr expertenfügsam gehandhabt wird, läßt fragen, ob da ein „Übersetzungsgewinn” gegenüber den Rousseauschen Begriffspaaren Amour de Soi und Amour propre gewonnen ist. Wir werden sehen. Zumal: Sind hier womöglich Differenzierungen im Begriff der Liebe selbst nötig, etwa im Blick auf die Vermutung, eben der, der sich selbst gegenüber lieblos verfährt, sei dazu verurteilt, nach der Liebe anderer zu gieren?

Und wenn wir einmal absehen wollten von solchen Übertragungen überlieferter Worte ins Expertenvokabular, gibt es da außerdem den Fall: Worte werden wohl gleichlautend übernommen, doch gewissermaßen in ein anderes Milieu versetzt, wo sie dann (möglicherweise?) Unheil anrichten. Ein Beispiel, das für andere herhalten mag: die in der psychologisch-therapeutischen Verständigung allgegenwärtige „Störung”. Dazu als Einschub, eine Zeitungsmeldung von heute morgen (24.6.):

    Eine Störung des digitalen Bahnfunks hat in der Nacht auf Mittwoch bundesweit die Bahnen lahmgelegt.

Tatsächlich haftet dem Begriff die Nähe, wenn nicht die fortwirkende Herkunft aus der Welt der Technik an. So wird im „großen”, 6-Bändigen Duden unter „Störung” vermerkt: Störung = „beeinträchtigte Funktionstüchtigkeit”. Beleg: „Die technische S. konnte schnell behoben werden; eine S. verursachen, feststellen, beseitigen; die Sendung fiel infolge einer S. aus”. Und unter den zusammengesetzten Begriffen, etwa zu „störungsfrei: <Adj.; ohne Steig.> (bes. Technik): frei von Störungen; die Hydraulik funktioniert störungsfrei”. Reicht das?

Doch da der Terminus „Störung” nun schon la fiel: Was ist denn mit der „Angststörung”, die sich häufig in Zusammensetzung mit dem aus dem Altgriechischen importierten φόβος / phóbos so gut zur Auflistung unterschiedlicher Störungsformen eignet; Klaustrophobie, Agoraphobie ‒ wo wir auch gleich noch den griechischen Marktplatz, die agora, im Begriff dabei hätten ‒, die Aviophobie etc.etc. Wohin man hört: Phobien, Phobien!

Schwierig allerdings, bündig zu bestimmen, wann eine ängstliche Verfassung den Status einer behandlungsbedürftigen Erkrankung aufweist. Ohne damit einer Medicophobie* ‒ nicht zu verwechseln mit der lästigen Medecophobie ... ‒ Vorschub leisten zu wollen: doch könnte es sein, daß mittlerweile allzu viele menschliche Verfassungen als „therapiereif” deklariert werden?

Viele Fragen, doch der Kreis der Absolventen wird sich ja auch eine komplette Woche Zeit einräumen, um sich mit solchen Perspektiven zu befassen. Womit wir eines der Zentren Philosophischer Praxis anvisieren, denn sie versteht sich in der Tat als „Perspektivwechsel”, und zwar ‒ um die nachdrückliche Betonung nicht zu scheuen ‒: als paradigmatischer Perspektivwechsel.

Wie auch sonst gilt allerdings: Es wird nicht nur darum gehen, zu arbeiten. Sondern die frühen Oktobertage dürften hier im Ultental und in den Ultner Bergen vorzügliche Voraussetzungen bergen, einige genußreiche Tage zu verbringen und ‒ sofern die meteorologischen Verhältnisse es zulassen ‒ einen goldenen Herbst zu erleben. Das „Haus der Philosophischen Praxis”, die Villa Hartungen, wird den gemütlichen Rahmen zu alledem beitragen.

        Seid also herzlich eingeladen!

* Bezeichnenderweise hat sich der Begriff der Medicophobie nicht etablieren können ‒ im Gegensatz zur Dentophobie, mit dem man den Zahnärzten beispringt ‒, den findet man vielmehr nur sehr selten, etwa als Benennung für die nachdrückliche Aversion des alten Fritz gegenüber „seinen” Ärzten. So wird von einer Historikerin der Charité von Friedrich dem Großen berichtet, dessen „Medicophobie” habe dazu geführt, daß er die „Leibärzte (verschlissen habe) wie Italien seine Regierungen”.

Alles weitere: die Kosten betreffend, Anreise-Empfehlungen und was sonst organisatorisch zu wissen ist, siehe hier.

Schließlich noch zwei Literaturempfehlungen:

László F. Földényi, Melancholie. Matthes&Seitz, Berlin 2004
Thomas Arnold und Thomas Fuchs, Das unersätgtliche Selbst. Phänomenologie des Narzissmus. Suhrkamp, Berlin 2026.

 




Weitere Informationen (alle Seiten) || nach oben springen || Startseite der GPP

Warenkorb

Noch keine Artikel

Die Sommer-Akademie Philosophie, Urlaub, Literatur


Gottfried Benn:

        Geistiger Aristokrat
 und schonungsloser Avantgardist

   Vom 4. bis 11. Juli 2026

         Alles Nähere dazu hier.

Das neue Buch ist erschienen:             „Philosophie der      Philosophischen Praxis”



       Alles Nähere dazu hier!

Das Buch: „Zur Einführung der Philosophischen Praxis”



  Jetzt auch als pdf-Dokument!

       Alles Nähere dazu hier!

Meine Dissertation über Hegel



1981 in Gießen bei Odo Marquard zum Thema „›Selbstverwirklichung‹ oder ›Die Lust und die Notwendigkeit‹. Amplifikation eines Hegelschen Kapitels aus der ›Phänomenologie des Geistes‹” abgelegt, ist ab jetzt hier im pdf-Format  nachzulesen.

Audio-CDs sortiert


  
Die Texte und Tonträger der Philosophischen Praxis ab sofort nach Themen und Namen sortiert! Stöbern Sie im Katalog.

Unsere Anschrift


  
„Haus der philosophischen Praxis”
Villa Hartungen 64
I-39016 St. Nikolaus/Ulten
0049 170 3019945 und
0039 377 3014402
post@gerd-achenbach.de und kontakt@laura-achenbach.eu
.

 


Seitenende || nach oben springen || Startseite der GPP