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C.G. Jung als Vorläufer Philosophischer Praxis


Hier, in unserem neuen Zuhause, werden wir tagen und arbeiten.
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Hier, in unserem neuen Zuhause, werden wir tagen und arbeiten.

Ein Seminar, vor allem für Absolventen der Lehrgänge und Studienkurse zur Philosophischen Praxis

von Freitag, den 3. Oktober, bis Samstag, den 11. Oktober 2025


im „Haus der Philosophischen Praxis”,
           der „Villa Hartungen”
im Südtiroler Ultental.

Eine gute Woche, um die Arbeit in der Philosophischen Praxis zu befördern und zu bereichern.

Zu unserem Vorhaben:

C.G. Jung, 1875 im selben Jahr zur Welt gekommen wie Thomas Mann ‒ beider Geburt vor 150 Jahren wurde in den Feuilletons erinnerungsdienlich gedacht ‒, dieser Erste unter den Gefolgsleuten Freuds, der entschieden eigene Wege einschlug ‒ was ihm den Bannfluch des Meisters eintrug ‒, C.G. Jung ist unter den Psychologen der wichtigste, bedeutendste Wegbereiter der späteren Philosophischen Praxis. So ist es wohl auch kein Zufall, wenn ich in jenen Jahren, da ich mit der Idee derart erneuerter Philosophie schwanger ging, mit besonderem Nachdruck und nachhaltigem Gewinn Schriften dieses einzigartigen, auch eigenwilligen Denkers studierte.

Wenn ich mich nun mit Euch noch einmal um ein erschließendes Verständnis dieses Gründers „analytischer Psychologie” bemühen möchte ‒ eine unglückliche Namensgebung übrigens, die auf falsche Fährten führt, denn C.G. Jung ist eher noch ein „Synthetisierer” als ein „Analysierer”, und obendrein steht nicht der „psychische Apparat”, sondern tatsächlich die Seele im Mittelpunkt seiner Aufmerksamkeit, womit er an die ehrwürdigsten Traditionen menschlicher Selbstdeutung, an Philosophie und hoch entwickelte Religionen anschließt ... ‒ , wenn ich jetzt also C.G. Jungs Denken auf das Programm unseres Absolvententreffens setze, so nicht nur und nicht in erster Linie, um (zur Auffüllung unserer Wissensvorräte) mit seinen sogenannten „Lehren” bekannt zu machen („Eros”, „Persona”, „Animus/Anima”, „Schatten”, „das Selbst”, „Archetypen”, „Synchronizität”, „introvertiert/extravertiert” usw. usf.), sondern es sind Eigenarten und der besondere Stil seiner Denkungsweise, auf die ich aufmerksam machen möchte: sein von den sonstigen psychologischen Routinen weit abweichender Zugang zu Fragen und Problemen. Der Vorzug: Letzteres nimmt man nicht „zur Kenntnis”, davon können wir lernen.

Ein Beispiel ‒ einem Brief C.G. Jungs an einen Freund entnommen (6.XI.1915) ‒, das ich nicht etwa deshalb anführe, weil darin wiederholt der „Teufel” vorkommt; das ist vielmehr dem Umstand geschuldet, daß Jung in jenem Brief zunächst auf Birgitta von Schweden (1302-1373) eingeht, die von einer „Vision” berichtet hatte, in der sie angeblich den Teufel im Gespräch mit Gott belauschen durfte ‒ ein beliebtes Setting im Himmelstheater: denken wir nur an Hiob oder an Faust. Übrigens: Jung hat auch eine „Antwort auf Hiob” verfaßt ...

Winken wir also für diesmal den Teufel durch, und damit hier der bemerkenswerte Ausschnitt aus jenem Brief:

Verstehen = comprehendere = ist auch ein Verschlucken. ... Im Verstehen wollen, das so ethisch und allgemein menschlich aussieht, steckt ein Teufelswille ... Der Kern des Individuums ist ein Mysterium des Lebens, welches erlischt, wenn es «begriffen» wird. Darum wollen die Symbole auch geheimnisvoll sein ... Das Symbol will ...Freudsche Deutungen verhüten, die nämlich so afterwahr sind, daß sie der Wirkung nie ermangeln. Das «analytische» Verstehen ist bei Kranken von so heilsam destruktiver Wirkung wie ein Ätzmittel ..., auf gesundes Gewebe aber wirkt es unheilvoll zerstörend. Es ist ... eine Technik, die wir dem Teufel abgelernt haben, immer destruktiv, [nur] dort nützlich, wo Zerstörung nötig ist. ... Jedes Verstehen überhaupt, das ein Angliedern an allgemeine Gesichtspunkte ist, hat das Teufelselement in sich und tötet. Es ist ein Herausreißen des fremden Lebens aus seiner ihm eigenen Bahn, ein Hinüber zwingen in ein Fremdes, in dem es nicht leben kann. ... Darin liegt das Bedrohliche und Gefährliche der Analyse, daß ... der Mensch anscheinend verstanden wird: der Teufel frißt die Seele weg, die nackt und bloß, der schützenden Hülle beraubt, als ein Kind ans Licht geboren wurde. (Briefe 3 Bände, Bd. I, S. 53ff.)

Also auch hier, bei C.G. Jung, die Warnung vor der „Wut des Verstehens”, für die sonst Schleiermacher, der Begründer der Hermeneutik, steht. Und richtig wurde darum seine Psychologie auch als der „ernsthafteste Versuch” eines Denkens im 20. Jahrhundert bezeichnet, in dem „die Seele nicht eliminiert, sondern ihr Mysterium gewürdigt wird”.

Es ist aber auch ‒ wenn nicht sogar vor allem ‒ C.G. Jungs Stellung zu den „Problemen”, die Menschen beschäftigen und die sie in der Regel gerne los wären, die unserer eigenen Einstellung dazu reizvoll entsprechen und uns in unserer Arbeit stärken und unterstützen können. Das werden wir zumal zwei Vorträgen entnehmen, die Jung über „Die Lebenswende” sowie zu dem abgründigen Thema „Seele und Tod” gehalten hat. Ich zitiere ausschnittweise:

Die großen Lebensprobleme sind nie auf immer gelöst. Sind sie es einmal anscheinend, so ist es immer ein Verlust. Ihr Sinn und Zweck scheint nicht in ihrer Lösung zu liegen, sondern darin, dass wir unablässig an ihnen arbeiten. Das allein bewahrt uns vor Verdummung und Versteinerung.

Was bedeutet: Da ist nichts „wegzutherapieren”, sondern zu vertiefen, zu verfeinern, zu erweitern, auf ein höheres, womöglich sogar nochmals „problematischeres” Niveau zu heben, was den nachdenklichen Menschen, der sich zu uns in die Beratung begibt, ehrt und stärkt und ihm hilfreich-heilsame Anerkennung zollt. Erinnert uns diese Einstellung Jungs nicht an jenes Wort von Robert Spaemann, das uns zur Leitlinie wurde?

Sache der Philosophie kann es nicht sein, die Lösungen leichter, sondern die Aufgaben schwerer zu machen.

Kurz: Ich möchte in erster Linie solche Spuren im umfangreichen Werk C.G. Jungs aufsuchen, die schließlich in der Philosophischen Praxis an ihr Ziel gelangten.

Dabei will ich nicht verschweigen, was sich beim Versuch, sich dem Denken C.G. Jungs zu öffnen, als besonders schwierig erweisen wird: nämlich uns von aller Esoterik frei zu halten. Denn tatsächlich sind es die Zwielichter und trendigen Spökenkieker, die sich ‒ außerhalb der strengen Jungianer-Kreise ‒ an ihn gehängt und ihn zu ihrem Gewährsmann erkoren haben. Dagegen ist stark zu machen, mit welch entschiedener Behutsamkeit Jung auftritt, allenfalls einmal behutsam entschieden. Mich erinnert Jungs oftmals feinsinniges „Spekulieren” an den Stil Schopenhauers in dessen „Transscendente Spekulation über die anscheinende Absichtlichkeit im Schicksale des Einzelnen”, die gewissermaßen präfigurierend bereits feine Tentakeln zu C.G. Jung hin ausbildete.

Was überraschen mag ‒ freilich nur die, die sich die Lektüre der Schriften C.G. Jungs bisher erspart haben sollten ‒ ist, wie abgründig komisch und genüßlich humorvoll Jung zu schreiben vermochte, sobald es um heikle, sozusagen frisch aufgetischte Fragen geht, die deshalb bekanntlich entsprechende Erregungen, wenn nicht Gesprächsblockaden auslösen. So schlage ich vor, sich die Freude zu gönnen, die besonders die Vorträge „Die Frau in Europa” und „Die Ehe als psychologische Beziehung” bereiten. Damit wäre dann nicht nur für Heiterkeit im Rahmen unserer gemeinsamen Arbeit gesorgt, sondern zugleich ein Thema zur Stelle, das uns in den Beratungen statistisch nachgerechnet besonders häufig beschäftigt. (Beide im Band X der „Gesammelten Werke”.)

Materialien zur Lektüre werden vor Beginn des Seminars den verbindlich gemeldeten Teilnehmern zugehen.

(Texte zumal aus den Sammelbänden „Seelenprobleme der Gegenwart” und „Wirklichkeit der Seele”, sowie aus den Bänden VIII, „Dynamik des Unbewussten”, und X, „Zivilisation im Übergang”, der 20-Bändigen Gesammelten Werke.)

Technisches und Organisatorisches - Kosten, Unterbringung und Verpflegung usw., auch Anreisevorschläge - sind hier zu finden.

Viel Besuch im Haus am 2. August dieses Jahres. (Copyright: Uwe Völkner, FOX-ON)

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1981 in Gießen bei Odo Marquard zum Thema „›Selbstverwirklichung‹ oder ›Die Lust und die Notwendigkeit‹. Amplifikation eines Hegelschen Kapitels aus der ›Phänomenologie des Geistes‹” abgelegt, ist ab jetzt hier im pdf-Format  nachzulesen.

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