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Die Villa /Ausschnitt) von Süden gesehen

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Das Haus in voller Breite von Süden gesehen

Das Haus in voller Breite von Süden gesehen


Sommerakademie 2024 in der Villa Hartungen im Ultental/Südtirol

24. August bis 31. August 2024


Das Thema:

Intimes Denken,
     reflektierte Empfindung,
          filigrane Seelenerkundung


Zur Kultur gebildeter Korrespondenz und seismisch sensibler Diaristik


Dozenten: Dr. Gerd B. Achenbach und Laura Achenbach


Ist hinreichend bekannt, welche literarisch-gedanklichen Reize vom Genre des Tagebuches ausgehen? Damit ist freilich nicht die einfache Protokoll-Notiz gemeint, die womöglich gewohnheitsgemäß zu Papier gebracht wird, damit man später weiß, was wann wie mit wem vorgefallen ist. Sondern ich denke an die großen Gedankenverfasser wie ‒ die unübertroffenen ‒ Søren Kierkegaard und Franz Kafka, die in ihren Notizheften ‒ geschützt vor den Argusaugen eines alles zerredenden Publikums ‒ oftmals gedanklich abenteuerten und in geistiger Wildnis auf Spurensuche gingen.
Wahrscheinlich läßt sich plausibel machen ‒ ich werde es jedenfalls versuchen ‒, ihr ultimativer Anreger und Wegbereiter sei Michel de Montaigne mit seinen „Essais” gewesen, einer Art verschwiegenem Großtagebuch, das sich nicht zuletzt ebenso als eine Folge von Briefen an den verstorbenen Freund Étienne de La Boétie lesen läßt.
Übrigens darf das Tagebuchschreiben durchaus empfohlen werden. Einer der Meister dieses Fachs, Henri-Fréderic Amiel, hat dazu geraten als „Schutz gegen das Rosten der Gedanken”, und der wohl überhaupt Erste und zugleich Vorbildliche unter den Verfassern druckreifer Tagebucharbeit, James Boswell, meinte, das tägliche Schreiben befördere die „Federfertigkeit”.
Mit dem ihm zueigenen Sprachwitz nennt Peter Sloterdijk seine bandweise herauskommenden Tagebücher eine „Serie datierter Notizen” und erklärt, er greife darin „den Pollenflug der Themen” auf und gebe seiner „Neigung” nach, sich „für Erlebtes sprachlich zu revanchieren”. Wenn ich so etwas lese, meine ich, das behagliche Schnurren einer Katze zu vernehmen. Was nicht vergessen machen soll: Tagebuchliteratur vom Format Kierkegaards und Kafkas ist an Ernst sowie an Tief- und Abgründigkeit unüberboten: intimes Einzelgängertum von Weltgeltung.

Durchaus verwandt: die Korrespondenz, das Wechselgespräch mit fernen Freunden und ‒ vor allem ‒ innig Geliebten. Das ewige Vorbild: Die Briefe, die sich das berühmteste Liebespaar des Mittelalters schrieb, der Professor der Theologie und Philosophie Abaelard ‒ den man auch den „Sokrates der Gallier” nannte ‒ und dessen einstige Schülerin Heloïse. Später wurde Rousseaus Neuauflage der Geschichte, jetzt tatsächlich als Briefroman gestaltet, zum Welterfolg: „Julie oder Die neue Heloïse. Briefe zweier Liebenden aus einer kleinen Stadt am Fuße der Alpen”. Nicht zu vergessen ‒ Goethes „Werther” vergißt ohnehin niemand ... ‒ die berühmten Briefromane Frankreichs: Choderlos de Laclos’ „Gefährliche Liebschaften oder Briefe, gesammelt in einer Gesellschaft und veröffentlicht zur Unterweisung anderer” und Honoré de Balzacs „Erinnerungen zweier junger Ehefrauen” aus der „Menschlichen Komödie”.

Übrigens: Was die Kunst der intim-nachdenklichen Korrespondenz angeht, waren diesbezüglich schon bald die Frauen „federführend”. Ich zitiere aus dem (vorzüglichen) Band „Deutsche Briefe 1750-1950”, herausgegeben von Gert Mattenklott, Hannelore Schlaffer und Heinz Schlaffer:

Was seit Gellert vom Brief erwartet und bis zu Rahel Varnhagen akzeptiert wird, die naive Bereitschaft, sich Situation und Gelegenheit zumindest schriftlich empfindsam anzuvertrauen, ist zuerst und zumeist den weiblichen Korrespondenten geläufig. Die sprachliche Erschließung des Gemüts in der literarischen Kultur der deutschen Klassik läßt sich leichter in jenen Briefen belegen, die die Dichter von ihren Geliebten empfingen, als in solchen von Freunden: Klopstock von Meta Moller, Herder von Karoline Flachsland, Schiller von Charlotte von Lengefeld. Die Mutter Goethes, Sophie Laroche, Bettina Brentano, die Frauen um die Brüder Schlegel sind fast beliebig vermehrbare Beispiele. Darin folgt die Poetik des Briefes dem englischen und französischen Exempel, ... daß sie mit Frauen zu Rate geht.

Apropos Gellert: Ein hoch amüsables Beispiel solcher Briefschreiberei und Adressateneroberung liegt in Gestalt der insgesamt 183 Briefe vor, die mit dem Schreiben der gerade mal Zwanzigjährigen „Demoiselle Lucius” ‒ spätere Christiane Caroline Schlegel ‒ an den hoch angesehenen Erfolgsschriftsteller und Universitätsprofessor (für Philosophie) Christian Fürchtegott Gellert eröffnet wurden, die von 1760 bis zu Gellerts Tod im Jahre 1769 hin- und hergingen. Wir werden diese Glanzstücke weiblicher Selbstbewußtseinserwerbung kennenlernen. Ein entzückendes Gegenstück zu Bettina von Arnims Bestürmung zuerst der Mutter Goethes, dann des angehimmelten Goethes selbst, veröffentlicht als „Goethes Briefwechsel mit einem Kinde”.

Das Besondere sowohl der Tagebuchliteratur als auch der herausragenden Korrespondenzen: Im Gegensatz zu allem Schreiben und Denken, das für die Öffentlichkeit verfaßt wurde, sind die Selbstgespräche der Tagebuchautoren so wie die persönlichen Botschaften der Briefsteller oftmals schutzlos ausgesetzte, gewissermaßen „verletztliche” Gedankenwerke, die den entsprechenden Sekundärleser erfordern: einen empfindungssensiblen, einlassungswilligen, gewogenen, zugewandten, einen anteilnehmenden und zugleich „diskreten” Leser. Wir werden uns darum bemühen.

Was nun die „Sommerakademie” im Ultental angeht ‒ diese Tradition, die uns Jahr für Jahr seit 2004 in der Villa Hartungen zu ganzwöchigen Seminaren zusammentreffen und philosophisch-literarische Themen „erobern” ließ ‒, so hat sie während der Corona-Zeit pausieren müssen. Jetzt aber werden wir die Reihe wieder aufnehmen, und wer in diesem Jahr dabei ist, wird gewissermaßen unseren Umzug in das neue „Haus der Philosophie” am Hang des Ultener Talschlusses mit verfolgen können; denn letztmalig werden wir das prächtige Haus in jener Verfassung erleben, in der es uns im Verlauf der zurückliegenden Jahre offen stand ‒ vom Frühjahr nächsten Jahres an wird es dann in neuer Gestalt, „bestückt” mit unserer umfassenden Bibliothek und dem von Paffrath her vertrauten Mobiliar, die Besucher empfangen.

Übrigens: Wie auch sonst werden wir selbstverständlich nicht nur „arbeiten”. Sondern mittags werden wir Spaziergänge zu umliegenden Jausenstationen unternehmen und ein Tag ist überhaupt „Ausflug-Tag”. Die Tage sollen also zugleich eine geistreiche Urlaubs- und Ferienwoche ergeben ‒ zum Nachdenken, zu Gesprächen mit anderen und zum gemütlichen Zusammensitzen in abendlicher Runde.

Literatur:

Gustav René Hocke, Europäische Tagebücher aus vier Jahrhunderten. Motive und Anthologie (1978)
Deutsche Briefe 1750-1950, hg. v. G. Mattenklott, H. Schlaffer und H. Schlaffer (1988)
Georg Simmel, Der Brief. Aus einer Soziologie des Geheimnisses.

Auszüge aus den Tagebüchern Kierkegaards und Kafkas sowie aus Briefen der Klassik und Romantik ‒ zumal aus dem Briefwechsel der Christiane Caroline Lucius mit Gellert ‒ werden als Arbeitsmaterial den Teilnehmern zur Verfügung gestellt.




Konditionen:

Die An- und Abreise in dieses wundervoll entlegene Tal ist auch mit den öffentlichen Verkehrsmitteln vergleichsweise unkompliziert: Von Bozen aus fährt stündlich ein Zug nach Meran/Untermais, wo jeweils im Anschluß der Bus (Linie 245) abfährt, der hinauf ins Tal bringt. Ausstieg: Haltestelle „Posthof”, direkt unterhalb der Villa gelegen. Dort werden die Teilnehmer von uns abgeholt, ein kleines Stück Weg, eine einzige Kehre, und nach wenigen hundert Metern steht der Gast vor der Villa.
Für die Anreise mit dem Auto: Sankt Nicolaus/Ulten, von dort Richtung Sankt Gertrud bis zum Wegweiserschild "Villa Hartungen".

Die Konditionen für die Unterkunft in der Villa sind denkbar günstig: Wir konnten wieder vereinbaren, daß jeder Erwachsene pro Tag und Nacht 25 € zahlt. Das Haus hat elf Schlafzimmer (vielleicht ist bis August ein 12. fertig), jedes hat ein eigenes Waschbecken und Zugang zum umlaufenden Balkon. Es gibt außerdem auf jeder Etage ein großes Badezimmer, in dem sich jeweils mehrere Duschkabinen befinden ‒ und übrigens auch eine Waschmaschine!

Sonstige Kosten: Die Einkäufe für die Woche werden am Ende zusammenaddiert und anteilig auf alle Teilnehmer umgelegt.

Wer es entweder etwas abgeschiedener oder auch komfortabler oder sogar beides bevorzugt, der mag sich entweder direkt unterhalb der Villa im Sporthof beim Ehepaar Lösch eine Ferienwohnung mieten ‒ dort im Sporthof  haben Dora und Luis übrigens im vergangenen Jahr eine Sauna samt Ruheraum bauen lassen, einfach traumhaft mit Blick direkt in die Bergwiesen hinein, die wir alle mitnutzen können! ‒ oder aber sich in dem im Ort gelegenen, exquisiten Waltershof  einquartieren. Ebenfalls empfehlenswert und nahegelegen: das Hotel Ortler .

Der Seminarbeitrag beträgt 450 €, Ermäßigungen können erfragt werden.

Eine möglichst rechtzeitige Anmeldung auf dem Anmeldeblatt  oder auch formlos per eMail wäre uns der Planungssicherheit wegen lieb.


Bis Ende vergangenen Jahres wurde die Villa in den Sommermonaten von Bernadette Schwienbacher bewirtschaftet, streng vegan u.a. ...
Inzwischen ist Bernadette jedoch in den verdienten Ruhestand gewechselt - aber es sind noch Bilder vom Innern des Hauses auf ihrer Internetseite zu finden, u.z. hier .

Jetzt aber zieht wieder „die Philosophie” in diese einzigartige Villa ein, wo wir ja bereits in den Jahren 2005 bis 2020 zahlreiche Tagungen durchgeführt haben ‒ vorzugsweise zu Autoren, die mit dem Erbauer der Villa, dem weithin berühmten Arzt Christoph von Hartungen, befreundet und bei ihm zu Gast waren: Thomas Mann, Kafka, Freud, der Pfarrer Kneipp und viele andere.

Die Villa vom Tal aus gesehen.

Die Villa vom Tal aus gesehen.

Gemütliches Beisammensein auf der Terrasse

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