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Die Gesellschaft für Philosophische Praxis GPP lädt ein:


Eine Woche lang Frühling in Schloß Steinhöfel


Sonntag, 21. Mai, bis Freitag, 26. Mai 2023 (optional: 27. Mai)


Philosophie der Hoffnung -
oder: Einen Mann wie Bloch haben wir nötig


Dozent:
Dr. Gerd B. Achenbach

Schloß SteinhöfelSchloß Steinhöfel

Die „Frühlingswoche in Schloß Steinhöfel” ‒ seit mehr als zehn Jahren fester Programmteil im Jahreslauf der Gesellschaft für Philosophische Praxis GPP ‒, hat nach und nach einige der großen, bedeutenden Namen der Philosophie, herausragende Ausnahmegestalten des weltbewegenden Denkens, vorgestellt: Sokrates, die Stoa, meinen Freund Montaigne, Rousseau, Kant, Hegel, Schopenhauer, Carl Schmitt und zuletzt, im vergangenen Jahr, als „Doppelgespann” Dostojewski und Kierkegaard.
Jetzt aber wird in Steinhöfel die Bühne aufgeschlagen für einen der interessantesten, erregendsten, prozeßkundig am großen Weltgang orientierten Denker ‒ den vorerst letzten wirklich „großformatigen” Philosophen, der ein umfassendes Weltbild hingestellt hat wie aus einem Guß: Ernst Bloch ‒ Philosoph des „Prinzips Hoffnung” und wortgewaltiger Verkünder einer „Ontologie des Noch-Nicht-Seins”.

Zur Zeit behandeln sie ihn wie einen „toten Hund” ‒ doch man täuscht sich: es ist lediglich verdächtig still um ihn geworden. Wer dennoch an ihn rührt, wird was erleben: Womöglich wirft ihn dieser berufene Denker des Voraus und Voran ‒ und klug erbenden Erinnerns! ‒ unversehens und höchst lebendig aus den eingefahrenen Denkwegen ... Von ihm möchte ich sagen, was der junge Nietzsche einst meinte, als er hörte, man wolle Goethe, der sich schließlich (mit 82 Jahren) „ausgelebt” habe, zum alten Eisen werfen: er ‒ so Nietzsche damals ‒ „würde gern ein paar Jahre des »ausgelebten« Goethe gegen ganze Wagen voll frischer hochmoderner Lebensläufte einhandeln, um ... vor allen zeitgemäßen Belehrungen durch die Legionäre des Augenblicks bewahrt zu bleiben”.

So ist es recht: Gegen die allgegenwärtigen Möchtegern-Kassandras und Alarmschläger in den Gazetten und das eingeschüchterte Muckertum der Unterrichteten möchte ich meinerseits einen Mann aufbieten, für den die Devise galt, noch sei „nicht aller Abende Tag” ‒ vielleicht, daß sich mit ihm einer kleinlaut, zahm und lahm gewordenen Zeit zurück auf die Beine helfen ließe?

Doch was werden wir uns von ihm zu Gemüte führen?

Zuerst einige seiner kurzen Prosastücke aus den „Spuren” ‒ Blochs Pendant zu Adornos „Minima Moralia” ‒: philosophisch hintersinnig eingefädelte Geschichten, die der zeitfälligen Gedankenlosigkeit auflauern ‒ etwa mit einem Lob der Muße, die kein Herumhängen in der „Schlaf- und Gähnkammer der Langeweile” meint ‒ oder das modern-eindimensionale Weltbild provozieren ‒ indem sie vom geheimen „Leben der Dinge” berichten ‒, oder Bloch schiebt uns Unbequemlichkeiten unter, die er in bester Weisheitstradition als heilsam-bittere Pillen verabreicht ‒ die „Vorübung auf den Tod” gehört dazu.

Vor allem: Bloch irritiert. Das ist Philosophen-Vorrecht, wenn nicht -Auftrag. So mit dem kleinen Text „Gruß und Schein”: Auf manchen Dingen laste eine schreckliche Vergangenheit, und dennoch lockten sie mit einem „guten Schein” und seien so das Versprechen einer besseren Zukunft. Da ist kundige Hoffnung am Werk: Im Anblick des Widrigen hat sie sich zu bewähren.

Was sonst? Selbstverständlich will ich ‒ in groben Zügen ‒ die Hauptgedanken seines opus magnum vorstellen, das den grundlegenden Gedanken sogleich in die zwei Begriffe des Titels packt: „Prinzip Hoffnung”. Und da Bloch, schon hoch betagt, noch einmal nachlegte, verstand er es wieder, die wesentliche Botschaft nur zwei Worten mit auf den Weg zu geben: „Experimentum Mundi”. Darin wird uns vor allem das Kapitel „Aufklärung und Teufelsglaube” beschäftigen. Nochmals Grundsätzliches enthält sein Vortrag „Zur Ontologie des Noch-Nicht-Seins”.

Und da es wieder einmal an den zwielichtigen Rändern rumort, ist Blochs Schrift „Erbschaft dieser Zeit” (1935!) von unheimlicher Aktualität; wir schauen hinein ...

Schließlich soll ‒ soviel Zeit dafür bleibt ‒ einiges aus „Atheismus im Christentum” zur Sprache kommen, dessen gewaltige These bereits auf dem Buchdeckel zu lesen steht: „Nur ein Atheist kann ein guter Christ sein, nur ein Christ kann ein guter Atheist sein”.

Was hingegen Blochs nachgereiften Marxismus angeht, mache ich kein Hehl daraus: sein lautstarkes ceterum censeo für den endlich ins Geschichtsziel gehievten roten Sozialismus ging mir schon damals ‒ anders als den revoltierenden Achtundsechzigern ‒ wider den Geschmack, wohingegen mich seine leisen Töne tief bewegten, mit denen er im Vortrag „Über den Begriff Weisheit” für eine reife Ruhe, ja sogar noch einmal für die „Meeresstille des Gemüts” ein gutes Wort einlegt oder die „kostbar-schlichte Einfachheit des Toa” lobt als „Feier des Lautlos-Waltenden”. Auch diesen Bloch ‒ der schon früh „Die Güte der Seele und die Dämonie des Lichts” beschwor ‒ gibt es eben, den Philosophen, der ‒ paradox formuliert ‒ gerade nachdrücklich nicht auftrumpft. Der sogar ‒ anläßlich der Entgegennahme des Friedenspreises in der Paulskirche ‒ die Zeile des jungen Goethe „Über allen Gipfeln ist Ruh” als „Losungswort” feiert, als „Archetypus” sogar und hoffnungsvollste „Weissagung aller großen Religionen”.

Alles "Technische" findet sich hier

 




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Frühling in Schloß Steinhöfel



     21. bis 26./27. Mai 2023

   Philosophie der Hoffnung
            [Ernst Bloch]


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Meine Dissertation über Hegel



1981 in Gießen bei Odo Marquard zum Thema „›Selbstverwirklichung‹ oder ›Die Lust und die Notwendigkeit‹. Amplifikation eines Hegelschen Kapitels aus der ›Phänomenologie des Geistes‹” abgelegt, ist ab jetzt hier im pdf-Format  nachzulesen.

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